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Der jüdische Student · 1932-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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zur freien Auswirkung kommen lassen wird. Dabei ist zu beachten, daß die Partei die Bedeutung internationaler Bindungen und Fühlungnahme versteht, rein weltanschaulich, aber auch praktisch-politisch. Bei aller nationalen Gesinnung ist sie nicht nationalistisch. Sie begreift, daß die Behandlung der Juden in Deutschland ein Weltecho findet, dessen moralische, aber auch politische und wirtschaftliche Wirkung Deutschland zu beachten hat. — In zionistischer Hinsicht ist die Haltung der katholischen Kirche nicht immer einheitlich gewesen. Die Politik des lateinischen Patriarchen in Jerusalem, Msgr. Barlassina, war uns gewiß nicht förderlich. Wie weit dogmatische Fragen, wie weit die politische Frage römisch-katholischer Präponderanz im Lande der heiligen Stätten dabei mitgewirkt haben, kann in diesem Zusammenhang nicht untersucht werden. Es muß aber auf der anderen Seite festgehalten werden, daß maßgebende Zentrumsführer, unter ihnen der Vorsitzende der Partei selbst, sich wiederholt für die jüdische Palästinabewegung sehr warm ausgesprochen haben. Noch einmal: Wir werden nicht Katholiken, wenn wir Zentrum wählen, wir nähern uns auch nicht geisttgdem Katholizismus; die Zeit ist aber zu ernst, als daß wir nicht eine Partei, bei der offensichtlich der ehrliche Wunsch zum Schutz unserer Rechte aus prinzipiellen und staatspolitischen Gründen vorhanden ist, .unterstützen sollten. Bleibt unsere Stellung zur Sozialdemokratie. Es soll hier nicht alles ausführlich dargelegt werden, was uns als Juden auf Grund unserer Geschichte und Ueberlieferung der Ideenwelt dieser Partei verbindet. Der Grundsatz der Gleichheit aller Menschen, die Forderung nach wirtschaftlicher Sicherung jeder Existenz und damit nach sozialem Ausgleich, nach Anteil jedes Individuums am Produktionsgut des Grund und Bodens, nach friedlich zusammen lebenden Nationen — die Reihe der gemeinsamen Ideale läßt sien vermehren. Daß wir Zionisten das ernste Streben zeigten, diese Ideale auch beim Neuaufbau Erez Israels zur Verwirklichung zu bringen, hat uns die führenden Geister der internationalen Sozialdemokratie eng verbunden. Leon Blum, Wedgewood, Paul Lobe, Emilie Vandervelde, um nur wenige der markantesten Führer zu nennen, haben wiederholt unserem Werk ihre Hilfe zuteil werden lassen. Jüdisch und zionistisch können wir weitgehend den programmatischen Zielen der SPD. folgen, zumal sie niemals, wie die KPD.f Feindin der religiösen Betätigung gewesen ist, sondern ihren Grundsatz, daß die Religion Privatsache sei, — gibt es doch eine ansehnliche Gruppe religiöser Sozialisten — voll verwirklicht hat. In unseren Reihen wird mitunter gegen die Sozialdemokratie ein Schlagwort ins Feld geführt, daß sie sich allzu weit von ihren eigentlichen geistigen Grundlagen entfernt habe, daß sie „verbonzt" sei. Einmal wird hier übersehen, daß jede Partei großen Ausmaßes, zumal wenn sie zur Mitregierung klangt, eines großen Apparates von Beamten und besoldeten Kräften bedarf. Daß eine Partei, die wie die Sozialdemokratische im Zusammenbruch von 191S So unerwartet schnell die staatliche Verantwortung auf sich nehmen mußte, mcht nur die Geschultesten und Fähigsten um sich sammeln konnte, ist nicht Verwunderlich, und daß sie doch das ungeheure Werk der Rettung des Reiches vor dem Zerfall vollbrachte, bleibt ihr historisches Verdienst. Daß sie reine sozialistische Programm nicht verwirklichen konnte, daß sie in ^rer Politik vielfach zu Konzessionen gezwungen war, welche die mit keinerlei 185

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