Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn also unsere Stellung gegenüber der politischen Rechten eine im ,jnzelnen vielleicht etwas differenzierte, im wesentlichen aber gleichartige;?t so werden die Probleme vielfältig, wenn wir uns mit der Linken und der Mitte zu beschäftigen haben. Um mit dem äußersten Flügel zu beginnen, der Kommunistischen Partei: Wir meinen, daß keiner aus unseren Reihen ihr seine Stimme geben kann! Ich weiß, daß bei manchem unter den jüngeren pundesbrüdern aus der berechtigten Empörung über die gegenwärtigen Zustande eine entgegengesetzte Ansicht besteht. Politik ist aber keine Angelegenheit des Affektes, sondern der Ueberlegung, und wie ein Jude keine antisemitische Partei wählen darf, so können wir als Zionisten uns niemandem verbinden, dessen Theorie und Praxis antizionistisch ist. Von Sowjetrußland aus geht seit Jahr und Tag der Kampf gegen unser Ziel. Im Lande selbst verfolgt man jede zionistische Betätigung. Unsere Gesinnungsgenossen wandern in die Gefängnisse, in die Verbannung Sibiriens und des Ural, in die politischen „Isolatoren". Sie leiden dort Unmenschliches an physischen Qualen. Hungerstreik ist ein tagtägliches Vorkommnis. Auf der anderen Seite versucht man, unsere Position in Palästina zu untergraben. Wir kennen die Flugblätter aus den Istzten Unruhen in Erez Israel, wir kennen die ständige Wühlarbeit kommunistischer Agitatoren im Lande, denen wir zu einem Gilten Teil die arabischen Schwierigkeiten verdanken. Man bekämpft den Zionismus als den „Vorkämpfer des britischen Imperialismus" und weiß doch genau, daß die Zionssehnsucht der Juden so alt ist, wie "ihre Zerstreuung und unabhängig von jeder zeitlichen politischen Konstellation. Die deutsche KPD. führt bei uns zu Lande eben diesen Kampf. Die Kreise um Geserd versuchen, uns Abbruch zu tun, Otto Heller's, die Tatsachen entstellende Argumentation kennen wir alle, die in dem kommunistischen Mopr-Verlag (Berlin) kürzlich erschienene Broschüre von Haddad „Tag der Fellachen" bietet an Gehässigkeit gegen unser Aufbauwerk, dem gegenüber Mord und Plünderung als selbstverständliche Mittel arabischer Gegenwehr dargestellt werden, das Ungeheuerlichste. Und wenn es noch des kleinsten Beweises bedurft hätte, wie ohne Skrupel die KPD. die Juden sofort da preiszugeben bereit ist, wo irgend t,n agitatorisches Interesse es erheischt, so lehrt es uns der Beschluß des Preußischen Landtages auf Enteignung der seit 1914 eingewanderten Ostjuden, hir den sie gemeinsam mit den Nationalsozialisten stimmten. Nur. diese wen:£en Argumente seien angeführt, um unseren Bundesbrüdern zu zeigen, daß C1nc Stimmabgabe für die Kommunisten im scharfen Widerspruch steht zu untrer zionistischen Arbeit. Von dem Kampf gegen das Judentum im allgemeinen, gegen die jüdische Religion, gegen die jüdische Bildung der Jugend und -'H dem anderen, unter dem unser Volk in Rußland leidet, war hier nicht eindie Rede. Und wenn es tausendmal geschickter Dialektik gelingen (mnte, Kommunismus und. Zionismus als ideologisch vereinbar hinzustellen, was läßt sich nicht alles im luftleeren Raum abstrakter Gedanken, sehr oft v°^ar mit Recht, vereinen — Politik will praktisch angefaßt werden, und in C^r ^raxis der Politik, das wollen wir eindringlich wiederholen, gibt es diese * cr1*nüpfung heute nicht. Von der sozialistischen Arbeiterpartei darf geschwiegen werden. Mag sie ' grammatisch der Gesinnung des einen oder des anderen nahe kommen, "lr glauben nicht, daß in diesem Kampf, den wir zu führen haben, es erlaubt lst« auch nur eine Stimme zu verzetteln. In dem Augenblick, in dem die 183