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Der jüdische Student · 1932-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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bedarf es der Wiederholung für unseren Kreis bestimmt nicht. Es ist unvorstellbar, daß in dem Kreis von Freunden, an den -diese Blätter sich richten auch nur ein einziger so knechtisch gesinnt oder so frevelhaft sein kann, unsere Stellung unterminieren zu helfen. Und so -scheiden wir, weitergehend, auch alle die anderen Gruppen aus unserer Betrachtung aus, die, programmatisch oder auch nicht, sich dem organisierten Judenhaß bündniswillig erwiesen haben. Wir können keiner mit der Harzburger Front verbündeten Deutschen Volkspartei unsere Stimme geben, wir können uns nicht einer der Splitterparteien nähern, die seit Jahr und Tag ihre Willfährigkeit bewiesen haben, die nationalsozialistische Reaktion auf den Schild zu heben. Ein Wort an dieser Stelle zum Problem des Nationalsozialismus. Wir zionistischen Juden sind nicht die Feinde dieser Bewegung aus dem primitiven Tatbestand heraus, daß Druck Gegendruck erzeugt. Unsere Haltung ihr gegenüber ist doch differenzierter. Wir haben an sich alles psychologische Verständnis für den Urdrang eines Volkes zur Freiheit. Zu lange hat man uns als Objekt fremder Willkür behandelt, zu lange haben wir das Recht, unsere eigenen Angelegenheiten selbst zu verwalten, entbehrt, als daß wir uns nicht zutiefst einfühlen könnten in die seelische Verfassung eines Volkes, dem durch einen Vertrag, durch den der Krieg vielleicht geschlossen, der Frieden aber nicht geschaffen wurde, wichtige Teile seiner Selbstbestimmung genommen wurden. Wenn so der Nationalsozialismus wirklich eine Bewegung wäre, die die Regeneration Deutschlands auf ihre Fahne geschrieben hätte, wenn sie dem deutschen Volke mit den fortschrittlichsten Waffen des Geistes und der Zivilisation die Gleichberechtigung unter den Nationen erstreiten wollte, wenn die Lehre vom „nordischen Edelmenschen" Verpflichtung und Tugend zum Inhalt hätte, statt chauvinistische Anmaßung zu sein — wir Zionisten könnten uns einer solchen Bewegung verwandt fühlen, wie wir uns wesensgleich gefühlt haben der zur Freiheit strebenden tschechischen Nation (wie schrieb Masaryk über das feinsinnige Verständnis, das er bei Sokolow für seine Pläne fand) und wie wir für alle gedrückten Nationalitäten Lebensraum und Lebensrecht miterkämpft haben im Streit um die politische Freiheit der Minderheitennationen. So könnte objektiv unsere Stellung sein, und wir betonen es, um der Verleumdung zu widersprechen, daß wir Juden die Zerstörer jedes nationalen Ethos, jeder national-kulturellen Entwicklung seien. Was uns zu Feinden jener Bewegung werden läßt, ist dies; daß aus dem nationalen Ethos die patriotische Phrase, aus der national-kulturellen Entwicklung die chauvinistische Entartung geworden ist, die das Eigene nicht lieben kann, ohne das Fremde zu hassen und in den Staub zu ziehen, die dem deutschen Volke glaubte dadurch dienen zu können, daß es Frankreich zum Erbfeind in Ewigkeit und das Volk der Juden zu „minderwertigen Untermenschen" erklärt. Der fromme Wunsch ,,Juda verrecke", Friedhofsschändungen und blutig-tätlicher Ueberfall, Pressehetze und der kalte Progrom, der durch Gesetzgebung und Verwaltung gegen uns inszeniert werden soHi sie sind alles Ausflüsse dieser Gesinnung. Etwas mehr, etwas weniger davon, das kann unsere Stellung nur für die Wahl unserer taktischen Mittel verändern, nicht in der geistigen Haltung dem Ungeist dieser Bewegung gegenüber, die alles negiert, was wir Juden seit je als Menschheitsziel verkündet haben, und die überall das bejaht, wo wir glauben, auf Grund göttlichen Gebots verneinen zu sollen. 182

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