Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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schaftlichen Bedingungen, die Produktionsverhältnisse, unter denen es lebt, und treibt so eine '■— auch vom Bürgertum aus gesehen — assimilatorische Politik. Weiße Assimilation! ..... * Das Problem der Assimilation, in seinen heutigen politischen Formen der reißen und roten Assimilation ist im Grunde noch nicht durchforscht und wissenschaftlich analysiert. Jede Zeit zwingt ihr Geschlecht zu neuer theoretischer Prüfung, Eine gewissenhafte und genaue Untersuchung liefert das Material für den politischen Tageskampf und für die Erreichung der Ziele. Unsere Aufgabe ist heute, die Untersuchung des Problems der Assimilation durchzuführen. Zur ReicfistagswaM Von Hans Klee. Unendlich viel ist in der letzten Zeit über die schwierige, ja fast ausweglose Situation des deutschen Judentums gesagt und geschrieben worden. Bezeichnenderweise ist den meisten Betrachtungen ein Ton der Klage zueigen, über den kulturellen und menschlichen Abstieg, den das Volk Goethes und Kants in seinem größeren Teile beschritten hat, um bei dem täglichen blutigen Terror der Straße, ja, sagen wir es offen, beim schon nicht mehr latenten Bürgerkrieg anzulangen. Mir widerstrebt diese Klage. Jedes Volk trägt die eigene Verantwortung für seine geistige Entwicklung, und es kann nicht die Aufgabe jüdischer Mahner sein, eine Generation kleinen Geistes immer wieder hinzuweisen auf die Pflichten, die ein stolzes Erbe ihnen auferlegt. Vertut sie es, so mag sie ihre eigene Rechnung mit dem Himmel machen. Wir Juden aber haben die Pflicht, in dieser Umwelt offenen und versteckten Hasses, inmitten einer Hand voll Freunden und einer Armee von Feinden, unsere Rettung selbst in die Hand zu nehmen, freilich in dem Bewußtsein, daß eine Entwicklung, die unsere Rettung bedeutet, zugleich auch die einzige ist, die das deutsche Volk und sein Reich vor irreparablem Schaden bewahren kann. Und wenn wir so die politische Entwicklung der letzten Monate verfolgend Stellung nehmen zu der großen, schicksalsschweren Entscheidung, die vor uns ^iU, sind wir weiter davon entfernt als je, an dem Schicksal dieses Landes uns zu desinteressieren. Vorkämpfer für die Freiheit des jüdischen Volkes überall auf der Welt wollte der Zionismus sein, und es hieße seine Aufgaben ol'.ne Blick für gegebene .Realitäten einengen, wollte man dem Geschehen außerhalb des Palästinaaufbaues nicht größte Beachtung und Einsatz höchster - nergie zuteil werden lassen. Uns um das zu kümmern, was der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland Hilfe bringen kann, ist im Augenblick eine der v°rnehmsten Aufgaben der deutschen Zionisten, und wenn wir in unserem ,v"cise zu den Fragen, die die beverstehenden Wahlen, aufwerfen, Stellung n(-hmen, so bedeutet das eine Etappe in dem Kampf, den das deutsche JudenlU;n zu bestehen hat. Daß ganz andere Aktionen, viel wirksamere vielleicht, i°^itischer und wirtschaftlicher Art gleichzeitig zu betreiben sind, ist dabei •^bstverständlich. Wenn mitunter in der jüdischen Presse der Grundsatz aufgestellt worden daß kein Jude einer antisemitischen Partei seine Stimme geben darf, so 181