Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Ende ist, daß auch wir -die Zeit haben müssen, unser Werk durchzuführen, |" sogar durchzuführen gegen eine Welt des Widerstandes. Dieses Palästina, das dann das jüdische Zentrum sein wird, wird entscheidend für die Zukunft unseres Volkes sein. Wir können nicht vorausbestimmen, ob es später im Stande sein wird, ausstrahlende Wirkungen -auf die Galuth zu haben. Aber die Menschen, die dort leben, sie werden ökonomisch und sozial hoffentlich gerecht leben können. Es ist ebenso müßig, am Anfang dieses Werkes eine Zahl nach unten beschränken zu wollen, wie sofort ein maximalistisches Programm zu entwerfen. Wir vertrauen eben immer noch auf dm Willen und die Kraft unseres Volkes, das dieses Werk als seinWerk angesehen hat und auch heute noch ansieht. Da wir* diese ganze Frage nicht losgelöst von dem, was ich vorher gesagt habe, betrachten können, so ist für uns diese Frage der Lösung der materiellen Judennot in der Galuth ä la longue gesehen nicht möglich. Wir zweifeln eben auch daran, daß irgend eine ökonomische Strukturumschichtung, die ja überhaupt nicht von heute auf morgen erfolgen könnte, die Gewähr dafür gibt, daß damit dauernd auch nur die materielle Not behoben ist. Auch hierfür bietet die Geschichte Beispiele, daß von Seiten einer Arbeiterschaft eine Reaktion gegen die im gleichen Produktionsbetrieb arbeitenden Juden erfolgte. Auch Deine geringschätzige Bewertung der ideellen Seite der Judennot, welche gewiß heute etwas zurückgedrängt wird, vermag ich nicht zu teilen. Deine etwas mitleidig sarkastische Betrachtung dieser Frage läßt wenigstens heute einen gewissen Willen zum Verständnis vermissen. Wichtiger scheint mir jedoch zu sein, daß der Wille des Volkes selbst auf den a'nderen Weg hinstrebt, als den Du zu gehen beabsichtigst. Unser Volk will sich eben nicht assimilieren, will eben nicht untergehen, sondern hat den Willen und die Berechtigung, mindestens so wie jedes andere, für sich und seine Existenz als Kollektivum dieselben Bedingungen^ zu fordern. Und darum will es nicht, und darum wollen wir nicht jene Assimilation, von der Du sprichst. Das ist auch der Beweis dafür, daß unser Volk lebensfähig ist, und der Drang nach Palästina zet£t auch, wie weit entfernt dies ist von dem, was Du krampfhaftes Stützen nennst. Somit ist für uns dieser Zionismus genau wie früher die Lösung der Judenfräge. Er ist nur heute in das schwierige Stadium der Verwirklichung gelangt. Schwieriger auch deshalb, weil die Zeit uns nicht günstig ist, und so manche alte Mitkämpfer zum Abfall gebracht werden. Wir wollen hier nicht rechten und nicht werten. Ja, ich bin sogar mit Dir in dem einen Punkt einer Meinung, daß ein offener Abfall uns lieber ist, als Gleichgültigkeit, Resignation und Sentimentalität. Aber selbst wenn die Kerntruppe des deutschen Zionismus nur wenige sein sollten, so werden diese wenigen ihren Weg weitergehen, den Kampf weiter durchfechten, vielleicht wieder wie schon früher von den anderen bespöttelt und als unmoderne Schwärmer verlacht. In der Tat, die harte Gegenwart hat für Sentimentalität keinen Raum» Und daher ziehen auch wir die offene Abkehr der lauen Anteilnahme vor. Wenn sich heute unsere Wege in offener Auseinandersetzung trennen, so empfangen wir daraus neuen Mut und neue Kraft für unser Werk, den Aufbau des Landes Israel. Wir nehmen somit Abschied von Dir und grüßen Dich. Das Präsidium des KJV. Paul Hirsch 176