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Der jüdische Student · 1932-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Analyse unserer Zeit und Umgebung darf aber auch für unsere jüdische Entscheidung nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein, wenn sie auch wie immer in der Geschichte des Zionismus Anlaß zur Umkehr und zur zionistische» Tat bilden soll Denn unsere Entscheidungen müssen den Erfordernissen unserer jüdischen Situation entsprechen, die im Grunde seit Jahrhunderten unverändert und unnormal ist. Im übrigen genügt auch für die Zwecke unserer Diskussion die Feststellung, daß wir Juden in Deutschland heute in einer noch vor kurzer Zeit ungeahnten Weise isoliert, umgeben von einer Welt von Feinden leben und in unseren wirtschaftlichen Positionen, wenn auch nicht überall erschüttert, so doch überall unmittelbar bedroht sind. Wenn wir früher von der Ausweglosigkeit der jüdischen Situation gesprochen haben, so war dies für unsere Zuhörer nicht immer so unbedingt einleuchtend, weil dem oberflächlichen Betrachter unsere Lage in Deutschland keineswegs als schlecht oder etwa bedroht erscheinen konnte. Heute leuchtet dies aber wohl auch schon der Mehrzahl unserer innerjüdischen Gegner ein. Es ist im Grunde die typische Galuth- Situation des Juden, die in ihrer kulturellen und politischen Problematik lür den Einsichtigen stets sichtbar war, die aber heute für alle deutlich wird, weil jetzt die Unsicherheit der politischen und geistigen Existenz des jüdischen Volkes und der einzelnen Juden Hand in Hand geht mit einer Vernichtung.ihrer wirtschaftlichen Existenz. Die Zeit von der Emanzipation an bis heute ist für die Juden eine Kette von Selbsttäuschungen gewesen. Die schlimmste Selbsttäuschung war dabei nicht der Glaube an das Gelingen einer individuellen Assimilation. Vielleicht ist wirklich bei einzelnen Juden die Assimilation an dasdeutsche Volk und an die deutsche Kultur geglückt. Aber entscheidender Fehler in der offiziellen Ideologie des deutschen Judentums war die Leugnung jeder wirklichen, kollektiven, jüdischen Bindungen. Damit verwischte man die Problematik des Jude-Seins, ja, man leugnete zumeist das Bestehen einer Judenfrage überhaupt. Heute, da wir kollektiv angegriffen werden, zeigt sich auch die Schwäche unserer individuellen Position. Es wird nunmehr auch den oberflächlichen Betrachtern deutlich, daß wir im soziologischen Sinne eine Zwischenschicht sind, die ihrem Wesen nach große Angriffsflächen und wenig Widerstandskraft bieten kann. Man soll auf der anderen Seite aus einer Psychose Heraus auch nicht die Gefahr unserer jüdischen Lage übertreiben. Wenn wie letzt oft (auch in Diskussionen unter Zionisten!) die heutige Situation der Juden in Deutschland mit der Zeit der Vertreibung der Juden aus Spanien verglichen wird, so fehlt hierin jedes Augenmaß für das, u'as uns bevorsteht. Noch haben wir wirtschaftliche und politische Positionen, die zu verteidigen sind. Würden wir uns enger und straffer zusammenschließen, wer weiß, ob wir nicht dann ein Bollwerk bilden könnten, das uns in stabilere leiten auch in der Galuth hinüberrettet. Daß wir dann zwar vielleicht einem Teil der akuten Gefahren entrinnen, nicht aber der typischen Unsicherheit der Galuth-Existenz, das wissen wir als Zionisten- Auch heute noch gibt es Juden, die diese immanente Bedrohung der Juden m der Galuth leugnen. Auch heute noch ■ gibt es Liberale, die meinen, daß ^aktion und Haß, die heute die Welt gegen die Juden erfüllen, vorübergehen- ^Cr Natur seien, daß letzten Endes doch menschliche Vernunft und mensch- 'eher Fortschritt den Sieg davontragen und damit auch eine Lösung der Juden- 163

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