Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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frage bringen werden. Im Grunde beherrscht »dieselbe Auffassung auch die Ideologie der jüdischen Kommunisten bezuglich der Judenfrage. Nun, das sind unsere Feinde, und wir werden ihrer Herr werden mit dem Maße, wie auch ihre Idee (insbesondere die der Kommunisten) sich immer weiter von dem Stadium der Verwirklichung entfernt. Gefährlicher als diese Gegnerschaft ist die Wirkung, die die heutige Situation auf einen nicht unwesentlichen Teil des deutschen Judentums ausübt, etwa auf die Kameraden und ähnliche Kreise der jüdischen Jugendbewegung. Diese Menschen bejahen ihre Existenz in der Galuth, glauben an -die Möglichkeit der Verwirklichung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Deutschland und bemühen sich um .die Organisierung der Kräfte, die eine Erhaltung und Belebung der Galuth gewährleisten. In diesen Kreisen wird der nationale Zusammenhang der Juden der Welt, die Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk nicht geleugnet. Im Gegenteil, man versucht, den Zionismus zu begreifen und historisch einzuordnen. Aber man meint, daß er seine Funktion, die der nationalen Erweckung des jüdischen Volkes, bereits erfüllt habe, daß auch der Zionismus keine Lösung der Judenfrage gebracht habe, noch bringen könne. Gefährlicher ist diese Richtung, weil auch sie wieder den, Weg des geringeren Widerstandes geht und die gegebene Situation bejaht; sie hemmt damit die aktiven, revolutionären Kräfte des jüdischen Volkes, die aus Protest gegen ihr Leben in der Galuth an dem Neubau des jüdischen Lebens in Palästina arbeiten. Sie hemmt aber nicht nur uns Zionisten, sie hat auch schon weite Kreise organisierter Zionisten ergriffen und sie beeinflußt heute in hohem Maße diejenigen, die aus der. Not der Zeit der Judenfrage gewahr werden, denen es aber an Substanz fehlt, sich zum Zionismus zu bekennen. Wir wissen, daß im wahren Sinne nationale Kultur in der Galuth unmöglich ist ohne das Korrelat eines vollen nationalen Lebens. Wir glauben aber auch, daß sich eine Bewegung nicht durchsetzen kann, die aus Mutlosigkeit und Verzweiflung geboren, sich so geringe und im wesentlichen der Erhaltung gewidmete Ziele setzt, die das Primat des kulturell-Geistigen propagiert und das Primat der Erneuerung des Lebens nicht anerkennt. Es wäre unehrlich, wenn wir nicht eingestehen wollten, daß auch heute bei uns die Reaktion auf unsere jüdische . Situation keineswegs einheitlich und nicht immer mutig ist. Mutlosigkeit der Menschen trifft man besonders in weiten Kreisen des Kartells. Kein Wunder, denn ein großer Teil unserer Menschen glaubte niemals an eine persönliche Verwirklichung ihres Zionismus in Palästina. Diese Menschen hatten sich eingerichtet und sind von der Krise der Zeit ergriffen und überrascht. Schlimm ist dies schon um dieser Menschen willen. Doch es wird und muß bei uns stets eine große Zahl von Menschen geben, die wohl in Zeiten des Aufschwungs Mitläufer sein können, denen aber die moralische Kraft fehlt, ihr ganzes Leben in Treue einer Idee unterzuordnen. Schlimmer ist die erzieherische Wirkung auf unseren Nachwuchs, den diese Menschen unwillkürlich ausüben, und die Reaktion, die sie in der nichtziofli* stischen Welt hervorrufen. Vielfach herrscht bei uns auch die Auffassung Glücklich diejenigen, die sich nach 'Palästina retten können, wir anderen werden hier vergehen und niemals zu einer Erfüllung unseres Lebens kommen- Es ist klar, daß eine solche Stimmung in unseren Kreisen, die wir doch *u einem erheblichen Teil in der Galuth bleiben werden, leichter aufkommen 164