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Der jüdische Student · 1932-06-01 · Heft 5 (Juni 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 5 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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Ben-Schemen, 20. 4. Lieber Ernst! . Nun bin ich schon 4 Wochen im Land und fange an, mich schon richtig einzuleben. Zuerst bin ich so in der Gegend herumgefahren, habe mir Tel-Awiw, Haifa Jerusalem angesehen und bin vor einer Woche endlich da gelandet, wo ich hinwollte: nach Ben- Schemen. (In den Kolonien und im Emek war ich natürlich auch!) „Ach, das ist doch das Kinderdorf in Palästina, wofür immer Geld gesammelt wird, und alle möglichen Leute halten darüber Vorträge!", höre ich Dich sagen. Du hast ganz Recht, ich bin im jüdischen Jugenddorf. Erst eine Woche zwar, aber ich glaube, ich kann Dir schon viel erzählen, was Dich und Deine Chawerim und Chaweroth aus dem Makkabi Hazair vor allem interessieren wird. Ich bin als 15 jähriger einer Gruppe von gleichaltrigen zugeteilt worden und will Dir als . Grundlage meines Berichts mal unsern Tagesplan schik-!<cn: 6 Uhr Aufstehen, 614 Frühstück, <lann arbeiten wir von 7—11, was, verde ich Dir noch erzählen, essen ,Jm 11.45 Uhr Mittag. Dann vollenden '■vir die vormittags angefangenen Arbeiten, in den Nachmittagsstunden ist *»ch der Pflichtuntericht. 6.15 Uhr Abendbrot. Anschließend haben wir flann noch Arbeitsgemeinschaften, Wse, Unterhaltungen, Liederabende, ^•rgessen habe ich, daß wir auch Sport treiben, hauptsächlich am ^habbath, der ja frei ist, aber auch vri Wochentagen haben wir Gym- 21 l<1likstunden bei einer noch sehr j:n£en, sehr netten Lehrerin. Ueberll,pt unsere Lehrer sind feine Kerls, ir keine Pauker, wie unsere früheren 1 Berlin. ( sind eine verhältnismäßig ' "me Gruppe (12 Jungen), die mit 4 1 n e m Lehrer dauernd zusammen ist. Zwar haben wir natürlich auch Unterricht bei andern, Fachlehrern. Aber das ist unser spezieller. Die ganz kleinen Kinder spielen noch hauptsächlich. Aber so mit 6—8 Jahren fängt schon richtige Arbeit an. Genau weiß ich das alles noch nicht. Ich bin ja erst 8 Tag* hier. Schulstunden sind: Hebräisch, Bibel, Englisch, Arabisch, Rechnen, Palästinakunde, Geschichte und Arbeitsbewegung in Palästina, Naturkunde mit Chemie und Physik. Für unsern Physikunterricht schenkt uns der Professor Einstein alle notwendigen Instrumente, sogar ein Fernrohr hat er uns mal mitgebracht. In der Hauptsache' lernen wir natürlich praktisch die für Palästina und unsern späteren Beruf notwendigen Dinge: Landwirtschaft, Getreidewirtschaft, Gemüsebau. Hühnerzucht und Milchwirtschaft. Daran arbeiten wir dann auf unsern Felder» oder in den Wirtschaften. Die Mädchen lernen noch Gärtnerei und Hauswirtschaft. Das sollen doch mal tüchtige Frauen werden, die was verstehen, wenn wir sie heiraten sollen. Dann gibt's noch Spezialfächer: Tischlerei, Schusterwerkstatt, Schlosserei, wo auch Maschinenreparaturen gemacht werden sollen. Aber auch der Chauffeur unseres Autos, der Bäcker in Ben-Schemen, der Torhüter sind Schüler von uns. Schwer fällt mir das Hebräisch noch, ich hätte vielmehr in Berlin lernen sollen. Jetzt bedauere ich es sehr, zu spät. Sag all unsern Freunden, sie sollen schnellstens die Sprache lernen. Ich hoffe, Dir den nächsten Brief .vielleicht schon b'iwrith schreiben zu können. Alles, was es hier gibt, haben die Jungen selber gemacht: die Häuser, die Inneneinrichtung, wie Türen, Schlösser, Fenster. Die Decken 157

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