Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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haben sie selber getüncht, ebenso die Wände, die Fußböden selber mit Platten belegt. Zum Teil wohnen die Jungen hier in Zelten. Das ist sehr fein, und die haben doch direkt immer den Eindruck, auf Fahrt zu sein. Schabbath wird richtig gefeiert. Da gehen wir in den ganz nahen Herzl-Wald oder in die Siedlung bei uns nebenan, wo ich schon einige Freunde habe. Beim Essen sind alle festlich gekleidet, der Tisch ist mit Blumen geschmückt. Der älteste Lehrer macht Kiddusch, dann werden Geschichten erzählt, Lieder gesungen, oder auch ein ernster Vortrag ge. halten. Nun bin ich so ziemlich am Ende, I außerdem hundemüde von der doch i immerhin noch ungewohnten Arbeit. Grüße alle schön von mir, Kurt und Fritz und Wolf und Hanni und all die anderen. Und sage ihnen, daß sie Idioten sind, wenn sie nicht, so schnell, wie sie können, hierher tu uns kommen; die Eltern werden es schon erlauben. Meine mußten es ja auch, so lange habe ich gebettelt. Also, '.erzlich Schalom, lTiitraothl Hitler in Jerusalem. Unter diesem Titel ist in der Weltbühne vom 31. Mai 1932 ein Artikel von Elis Lubrany <Dr. Eleasar Lubrany) erschienen. Zunächst einiges aus diesem Artikel: Nach einer Schilderung der Vorgänge an der Universität Jerusalem anläßlich der Vorlesung von B e n t w i ch schreibt L. von der Verteidigung der Angeklagten durch Cohen II, der der revisionistischen Partei angehört. Dieser soll nach L. „im schönsten wohlklingendsten Hebräisch" erklärt haben: „Ja, wir Revisionisten hegen für Hitler eine große Achtung. Hitler hat Deutschland gerettet. Sonst wäre es schon vor vier Jahren zugrundegegangen. Und hätte Hitler seinen Antisemitismus ab* gelegt — wir würden mit ihm gehen . . . „Cohen II gleich Frank II," erklart dann ferner, Hitler sollte den Revisionisten den Gefallen wirklich tun, er hätte dann in seinem Fahnenwald eine neue, ehrwürdige Fahne — mit dem Hakendavidstern — und die Menschheit hätte das Vergnügen, neben dem Ruf „Deutschland erwache" „Zion erwache" zu vernehmen." Der ganze Artikel ist in einem Ton geschrieben, der jedem erbitterten Feind des Zionismus absolut Ehre gemacht hätte. Er paßt mit diesem Ton natürlich hervor* ragend in den Stil der Weltbühne, von der wir wissen, daß sie uns nicht sehr wohl' gesinnt ist (Hitler!). Weshalb wir uns damit beschäftigen — ich sage wir, weil i& mit vielen Bundesbrüdern gesprochen habe, die genau so empört waren wie ich, und diesen Artikel nicht kannten, weil sie — mit Recht — die Weltbühne nicht lesen, soll im Folgenden gesagt werden: L. ist einer ganzen Reihe von K. J. Vern bekannt. Man konnte den Eindruck haben, daß er etwa „halb offiziös" in der Z. V. f. D. tätig ist. Man kann daher die Sache nicht damit abtun, daß man, wie die Rundschau, von Würdelosigkeit spricht* Für einen Menschen, der sich nicht entblödet, so etwas zu schreiben, dessen Wahrhe'1 ich absolut bezweifle, ist meines Erachtens in der Zionistischen Organisation und & der Zionistischen Arbeit kein Platz. Wäre er noch in Deutschland, so wäre es vef 158