Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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ich mit ein paar Worten die Frage auch vor Euch bringe, und ich tue es um so mehr als eine ganze Reihe von älteren Bundesbrüdern sich persönlich und brieflich in dieser Frage an mich gewandt haben. Ich denke, daß ihr das Tatsächliche in dieser Frage in dem „Rundschau**- Artikel lest, ich will hier nur mit der ganz besonderen Verantwortung, die ich meinen Bundesbrüdern gegenüber fühle, Euch vor Augen führen, daß man heute Kinder in Palästina hebräisch und jüdisch erziehen lassen kann, ohne daß sie in ihrer allgemeinen Ausbildung oder in ihrem Fortkommen, im Leben etwas verlieren, selbst, wenn sie nicht in Palästina bleiben. Die palästinensische höhere Schule hat sich einen solchen Standard erkämpft, daß sie es wagen darf, von sich zu sagen, daß ihre Schüler eine Allgemeinbildung bekommen, die hinter der guter europäischer Schulen nicht zurücksieht, ja bei dem unermüdlichen Kampf der Schule um ihre Form sie vielleicht übertrifft. Und dann bekommen die Kinder eben noch soviel mehr: sie wachsen in Palästina auf, sie lernen Hebräisch und sie kommen in einen solch lebendigen Zusammenhang mit den Quellen jüdischer Geistigkeit, wie ihn eine Diasporaschule selbst unter den allerbesten Bedingungen kaum geben kann. Ich glaube auch sagen zu dürfen und sage es vor Euch ohne alle Scheu: für körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden der Kinder wird so gesorgt, daß Eltern das Wagnis vor sich und ihren Kindern verantworten können. Ich spreche natürlich in erster Reihe von unserer Schule, erstens weil ich da wirklich eine Verantwortung übernehmen kann und dann, weil wir ein Internat mit der Schule verbunden haben. Unser Internat besteht jetzt nahezu 8 Jahre und hat sich in dieser Zeit die Erfahrung erworben, daß es die Sorge auch für Kinder übernehmen darf, deren Eltern recht weit draußen sind. % Aber es gibt natürlich noch eine ganze Anzahl anderer Stellen, besonders kommt wohl für Euch Siegfried Lehmann's „Kfar Hanoar** in Ben-Schemen und für ältere Mädchen, die zur Landwirtschaft übergehen wollen, die Landwirtschaftliche Frauenschule in Nahalal in Frage. Was uns angeht, wird es Euch vielleicht etwas sagen, daß um das Internat ich mich mit meiner Frau kümmere und daß die ärztliche Ueberwachung in den Händen von Caspary liegt. Auch Zlocisti und andere aus unserem ältesten Freundeskreise arbeiten an dieser Sache mit. Was es für das Land bedeutet, wenn diejenigen, die nicht selbst herkommen, wenigstens ihre Kinder hier erziehen, brauche ich nicht besonders hervorzuheben, will auch nicht davon sprechen, welche starken Kräfte für die Erziehungsarbeit der Diaspora hier herangebildet werden. Wir haben *n Amerika heute etwa 20 Abiturienten unserer Schule, die in der zionistischen u^d hebräischen Arbeit einen wichtigen Faktor darstellen. Aber ich will ein Wort auch darüber sagen, daß ich mir eigentlich nicht denken kann, wie Jemand, der nur irgendwie die Möglichkeit hat, seine Kinder aus der haßerfüllten Atmosphäre einer heutigen deutschen Schule herauszuziehen, dies nicht tun sollte. Was ich schreibe, schreibe ich gewiß als einer, der an seiner Arbeit, an einem Stück palästinensischen Fortkommens interessiert ist; aW es scheint mir, daß ich auch Eure Sache und die Sache Eurer Kinder v*rtrete. 155