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Der jüdische Student · 1932-06-01 · Heft 5 (Juni 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 5 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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gleichen Geschlechts umgehen und sprechen, allein auf die Sache konzea triert, über die man spricht oder auf die Arbeit die man zusammen tut: Immer spielt unbewußt der Gedanke mit, es mit einem Mädchen bzw. einen Jungen zu tun zu haben. Es gibt nun zweifellos Menschen, die von vornherein frei oder wenigsten fast frei von diesen Hemmungen sind. Die anderen zerfallen, glaube ich in zwei Arten: die einen — und von diesen soll zunächst nur gesprochei werden — leiden selbst unter diesem unfreien Verhältnis zu Menschei asderen Geschlechts und streben mehr oder minder krampfhaft nach Be freiung aus dieser Gezwungenheit, wodurch diese natürlicherweise höchsten noch stärker wird. Ihnen — und das ist glaube ich ein großer Teil gerad» derer, die in der Jugendbewegung waren — kann letztlich sicher nur durcl ein normales sexuelles Verhältnis zu einem Mädchen bzw. einem Jungei geholfen werden. Das ganze Problem einer gut und sachlich arbeitende! koedukatorischen Gruppe im KJV ließe sich also doch verhältnismäßig leich losen, und ich glaubte tatsächlich und war fest davon überzeugt, daß die alles wirklich so einfach sei. Dabei bemühte ich mich, die Schwierigkeiter. die bei einer solchen Lösung für die einzelnen, besonders für die Mädcher vielfach auftauchen müßten, nicht zu übersehen. Ich glaubte aber, daß dies rein persönlichen Probleme sich bei einigem guten Willen und ernsthafter Verantwortungsbewußtsein dieser einzelnen lösen ließen. — Auf alle dies Einzelheiten eines solchen Koedukationsversuches brauche ich jedoch nicb mehr einzugehen; denn ich glaube, durch die Realität eines einzigen kurze: Experimentes auf diesem Gebiete eines besseren belehrt zu sein und de: Gedanken der Koedukation im KJV in keiner Weise mehr vertreten z können. Ich hatte nämlich nicht mit einem Faktor gerechnet, den ich ers durch die praktischen Versuche der persönlichen und gesellschaftliche Annäherung einer ZiSt-Gruppe und einer KJV-Verbindung nach und nac im KJV kennen lernen mußte. Dieser Faktor ist die Tatsache, daß es nebe den eben gekennzeichneten Menschen, die selbst nach einer Aenderua ihres schiefen Verhältnisses zu Mädchen bzw. Jungen streben, auch solch gibt — und hier muß ich, glaube ich, die Mädchen ausnehmen —, die mi diesem Verhältnis durchaus einverstanden sind. Sie haben sich ohne noc an eine Aenderung zu denken, damit abgefunden. Es ist für sie eben sc und was vorhin nur andeutungsweise über die so verbreitete unernste Aul fassung der sexuellen Frage gesagt wurde, trifft auf sie in vollem Umfang zu. Diese Menschen können dementsprechend nicht umhin, in Mädche . und Frau eben in jedem Falle nur Mädchen und Frauen zu sehei Sie halten sie nicht für ihnen gleichartig und gleichgestellt, sondern fü durchaus andersartig, sensationell und dabei irgendwie belustigend. Wo nun in einer Gruppe von Mädchen und Jungens solche Mensche iu größerer Zahl auftreten, ist eine kameradschaftliche Zusammenarbeit natüi lieh von vornherein unmöglich gemacht. Wären sie in einer solchen Grupp sur vereinzelt, so könnte sich die Gruppe vor ihnen durch Ausschlu schützen, womit nichts.gegen ihre menschliche Anständigkeit gesagt war« Sie wären eben für die speziellen Ziele einer solchen Gruppe schädlich un büßten sie deshalb verlassen.

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