Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Problem ZiSt-KJV auch heute noch. Denn sowohl in der ZiSt wie auch im KJV erheben sich immer wieder Stimmen, welche den gegenwärtigen Zustand als nicht endgültig ansehen wollen und eine allmähliche Aenderung des Verhältnisses von ZiSt und KJV fordern. Wie nun war eine solche Wandlung in den Anschauungen so vieler KJVer in dieser Frage möglich? Wie stellte man sich, ehe es die Realität der bereits bestehenden ZiSt gab — und das ist sehr wesentlich! — die erzieherischen Aufgaben vor, die sich an die Gründung einer Mädchengruppe seitens des KJV knüpfen konnten? Was waren, als die ZiSt nun existierte, die Gründe, die nicht wenige Bundesbrüder und sicher auch Chawerot der ZiSt zu der Ueberzeugung führten: irgend eine Form des Zusammenlebens von ZiSt und KJV sei in der Praxis unmöglich und jeder derartige Versuch störe die Arbeit auf beiden Seiten? Ich kann natürlich diese Fragen nicht für die Allgemeinheit der Bundesbrüder beantworten, die heute die eben angegebene Meinung vertreten, sondern kann nur die Gründe anführen, die mich persönlich zu dieser Ueberzeugung gebracht haben. Zunächst: wie stellte ich mir bis zu diesem Meinungsumschwung die Zusammenarbeit von ZiSt und KJV vor? — Ich glaube, es wird jedem klar sein, daß in einer Zusammenarbeit von Mädchen und Jungens nur insofern überhaupt ein Problem liegt, als in alle derartigen Versuche von gemeinsamer Erziehung und Arbeit das erotische Moment als das wesentliche und eigentlich einzig wirkliche Problem hinein spielt. Es ist nun einmal so, daß dieses Moment in dem inneren Leben fast jedes jungen Menschen eine große und wichtige Rolle spielt, und es erscheint mir als ausgeschlossen, daß es sich bei einer solchen, Mädchen und Jungen umfassenden Gruppe etwa nur um eine Arbeits gemeinschaft auf kameradschaftlicher und gänzlich nichterotischer Basis handeln könne, während das ,.Privatleben" außerhalb der Gruppe geführt werde. Einzelne würden das allerdings, so wie sie es etwa bisher getan hatten, vielleicht auch weiterhin tun, für die andern aber wäre eine solche Gruppe nicht mehr nur die Sphäre ihrer Arbeit sondern auch ihres erotischen Lebens. Das wurde, glaube ich, auch von vornherein als selbstverständlich angenommen, als man den Gedanken einer Koedukation im KJV faßte. Darin sah man naturgemäß eine große Gefahr für die sachliche Arbeit in den Verbindungen, eine Gefahr, die nur beseitigt oder "wenigstens wesentlich eingeschränkt werden könne, wenn es gelinge, die in einer Verbindung zusammengefaßten Mädchen und Jungen zu einer durchaus natürlichen und ernsthaften Form des Zusammenlebens zu erziehen. Die Art und Weise, wie auch heute noch selbst bei Menschen, die durch die Jugendbewegung gegangen sind, der Komplex des erotischen und sexuellen Lebens aufgefaßt wird, ist ja mindestens sehr unnatürlich und gezwungen. Es fehlt — wie überall — auch unter den KJVern und Chawerot der ZiSt zum großen Teil jene selbstverständlich — ernsthafte Auffassung dieser Dinge, die ein kameradschaftliches Zusammenleben und — Arbeit von Jungen und Mädchen mit Einbeziehung des erotischen und sexuellen Lebens in diese Koedukation möglich machen würde. Viele empfinden eine Person anderen Geschlechts irgendwie als fremd, und die Beziehungen sind zu ihr demgemäß gezwungen. Man kann mit ihr nicht wie mit einem Menschen 150