Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Verfügung gestellt hat, bereits angebahnt ist und sicher noch weitgehend ausgebaut werden kann. Unsere Arbeit wird in Zukunft zwar nicht auf gemeinsamen, wohl aber auf parallelen Wegen unseren gemeinsamen Zielen zustreben» 4. Von Franz Schlesinger <V.). St. Maccabaea Berlin). Die Fragestellung ZiSt-KJV konnte man heute als überflüssig betrachten. Man sieht neben dem KJV eine ZiStt die anscheinend völlig selbständig und unabhängig vom KJV ist in alledem, was die eigentliche Erziehungsarbeit angeht, und nur ab und zu in gemeinsamen Kursen und sonstigen Veranstaltungen, etwa geselligen, mit den KJV-Verbindungen zu tun hat. Das könnte als sehr gut und ausreichend betrachtet werden, und man könnte die Frage ZiSt-KJV ein für alle Mal für gelöst ansehen. Die ZiSt wäre nach dieser Auffassung vom KJV initiiert v/orden, um eine dringend notwendige Organisierung jüdischer Studentinnen herbei zu führen; in dem Augenblick, als diese Studentinnenverbindungen selbständig zu bestehen entstanden seien, wäre dann die Aufgabe des KJV erledigt und das ZiSt-Probiem — das dann gar kein Problem ZiSt-KJV gewesen wäre — gelöst. Diese tatsächlich sehr verbreitete Auffassung, die das eigentliche ZiSt- KJV-Problem überhaupt als nicht bestehend, seine Diskussion also als unnütz und ohne Notwendigkeit ins KJV hinein getragen ansieht, ist aber ialsch. Sie ist deshalb falsch, weil sie auf die- Geschichte der ZiSt, ihres Verhältnisses zum KJV und des damit verbundenen ZiSt-KJV-Problemes keine Rücksicht nimmt. Dieses kann nicht einfach als nichtexistent bezeichnet werden; denn es hat, ehe die ZiSt ihre jetzige selbständige Stellung einnahm, als die wesentlichste Seite der ganzen ZiSt-Frage bestanden. Von dem Augenblick an, als das erste Mal in den Köpfen einiger KJVer ziemlich gleichzeitig der Gedanke einer zionistischen Mädchengruppe auftauchte, war das wesentliche Moment der ganzen Frage: Wie soll sich das KJV diesen Mädchen gegenüber verhalten? Soll man sie gleichsam ignorieren, das heißt einmal den Anstoß zur Gründung einer solchen Gruppe geben und diese dann sich selbst überlassen, oder soll vom KJV aus versucht werden, irgend eine Form des dauernden Zusammenarbeitens und Zusammenlebens mit dieser Gruppe zu finden? Unter denjenigen, die überhaupt für diese Mädchenarbeit, wie man es damals nannte, eintraten, war man fast einstimmig der Meinung: Die Mädchen müssen — vielleicht sogar in einer neuzuschaffenden Form der KJV-Verbindung — am Leben des KJV teilnehmen. Die Frage war nur: wie soll diese neue Form der gemeinsamen Arbeit sein? — und das eben war das Problem ZiSt-KJV. Heute ist die Situation eine , ganz andere. Die verschwindend kleine Zahl der Bundesbrüder, die damals sagten: „Wir sind zwar für die Gründung einer Mädchengruppe, aber sie darf in keinen — wie auch immer gearteten — Zusammenhang mit dem KJV treten", — hat einen beträchtlichen Zuwachs erhalten, selbst aus dem Lager der ehemals extremsten Verfechter de$t Gedankens einer Koedukation im KJV. Das Problem ZiSt-KJV wandelte Slch allmählich, und die wesentliche Frage wurde: Soll überhaupt irgend em engerer Zusammenhang von ZiSt-KJV gefördert oder sollen die Zi-St- Gruppen gänzlich selbständig werden? — In dieser Form besteht das 149