Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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tisch aufs äußerste bedrängt, unsere nationale Aufgabe bedenken, müssen wir zu ganz andern Ergebnissen gelangen als Millionen leidenschaftlich ihr Volk liebende deutsche Menschen. Uns kann kein Nationalismus genügen, der sich selbst das Letzte ist; der E'ick auf die Menschheit ist uns Bedürfnis. Wir kennen auch Höhen, „die Seelenhöhen sind", haben es auch gelernt, auf des Blutes geheimnisvolle Melodie zu achten, darum ist uns doch der Intellekt kein eitler Gaukler und die Gerechtigkeit keine bloße List der Schwachen. Volk und Menschheit sind uns untrennbar vereint. Strebender Pfeiler und sich wölbendes Dach. Unserem Weg leuchte auch heute noch Salomos Spruch: Volk ohne Weihe vergeht, Volk, das sich heiligt, besteht! Die unangenehme Parallele, Von Gustav Krojanker. Auf die Kartelltagsdebatte über den Kommunismus, bei der ich nicht zugegen sein konnte, schriftlich zu reagieren, scheint mir unfruchtbar. In der lebendigen Debatte mag man auf diese oder jene Meinung eingehen und so der Diskussion zum Fortgang verhelfen. Schriftlich aber läßt sich das Problem nur als ein Ganzes behandeln, und dies jetzt neuerdings zu tun, besteht kein Anlaß. Dagegen hat Lichtheim außerhalb des Zusammenhangs mit der kommunistischen Frage einiges gesagt, was nach dem Protokoll unwidersprochen geblieben ist und was doch, wie mir scheint, einer Klarstellung bedarf. Er begann seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, daß er es für falsch halten würde, „wenn wir diese ganze Debatte über Nationalsozialismus, Kommunismus usw. irgendwie unter parteipolitisch gefärbten Gesichtspunkten behandeln". Und er hat dann getan, was er für falsch hält: sowie er nämlich auf den Nationalsozialismus kommt, spricht er lediglich als Parteipolitiker. Er will die ihm aus taktischen Gründen höchst peinliche Parallele zwischen Nationalsozialismus und Revisionismus aus der Welt reden. Er nimmt dabei meine Broschüre zum Anlaß, in der ich diese Parallele gar nicht gezogen habe {weil sie nicht in mein Thema gehörte); sie liegt aber so auf der Hand und ist dem Revisionismus so abträglich, daß endlich einmal etwas Grundsätzliches dazu gesagt werden mußte. Und das sieht so aus: Am Anfang steht eine verächtliche Geste gegen jene intellektuelle und offenbar schon deshalb nicht genug zu verabscheuende Betrachtungsart, die glaubt, die Dinge klarer zu machen, wenn sie sie mit den Mitteln des Verstandes, also begrifflich, durchleuchtet. Das sei schon falsch. Man müsse sie vielmehr ganz real nur nach ihren natürlichen und notwendigen Quellen betrachten und sich vor jedem verbindenden Gedanken, zumal wenn er auf einen Ismus endet, wie vor der Pest hüten. Der Zionismus hat seine natürliche Quelle in der Judenfrage, und er „ist eine nationale Bewegung, solange er . . . die territoriale Erfassung des Landes zu beiden Seiten des Jordan erstrebt". Eine deutsche Nationalbewegung erstrebt bekanntlich 138