Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bildungen auf den eigenen Wirtschaftsraum weitgehend zu beschränken- Der erste Weg ist wesentlich der des-Bolschewismus. (Völkerbund und Paneuropa sind mit andern Mitteln und auf anderen Wegen tastende Versuche nach der gleichen Richtung.) Seiner materialistischen Weltanschauung getreu vollzieht sich für ihn die Völkerzusammenfassung mittels Durchsetzung der kommunistischen Gesellschaftsform in den einzelnen Ländern. Der zweite We£ schwebt dem neudeutschen Nationalismus und verwandten Richtungen bei andern Völkern vor. Gustav Landauer hat schon in „Die Revolution" geschrieben: „Im einzelnen wissen wir gar nichts über unsern nächsten Weg; er kann über Rußland, er kann auch über Indien führen. Obwohl ich nicht weiß, ob das den Intensionen des Autors entsprochen hätte, möchte ich diese Worte heute in vorstehend ausgeführtem Sinne interpretieren: Entweder Anstreben der Weltwirtschaftsverbundenheit oder Non-cooperation, Selbstausschluß aus dem Miteinander der Völker, Stabilisierung der eigenen Wirtschaft auf primitiverer Stufe. Da der neudeutsche Nationalismus dieses will, ist ihm die antihumane Richtung wesensgemäß, nicht eine ephemere . Erscheinung, lediglich aus deutschen Charaktereigentümlichkeiten und Schicksalen zu erklären. Diese Non-cooperation, das Nicht-Verhandeln, das Erklären: „Ich bin und ich will!", das Befehlen muß für den neudeutschen Nationalismus auch nach innen charakteristisch sein. Muß es sein, denn die Mehrheit des deutschen Volkes, die aus kulturellen und soziologischen Gründen nicht darauf verzichten kann, in den übernationalen Raum .hinauszugreifen, kann dieser Nationalismus .nicht durch Ueberredung und Ueberstimmung, sondern nur durch Zwang dazu bestimmen, die Nation als einzige Religion und den Staat als seine allein-seligmachende Kirche anzuerkennen. Er ist nicht nur anti-rationalistisch — da könnten wir ihm beipflichten — er ist antiintellektuell und anti-ethisch, da ihm die Allmacht des Staates und die äußerste Intensität der Nation letzte Zwecke sind, denen sich alles andere unterzuordnen hat, und die an höheren Werten nicht mehr orientiert v/erden. Nicht soll das Nichts-als-Vernünftige zurückgedrängt werden, um Traditionen, Mythen, den Kräften des Geheimnisvollen Raum zu machen, sondern alle Werte des Intellekts und des Ethos sollen abdanken zu Gunsten des Trieb- und Willensmäßigen. Blut und Befehl sind die allein gültigen Symbole. Es geht ein deutlicher Riß durch Krojankers Ausführungen. Er entwirft eine Ideologie des neudeutschen Nationalismus und sagt dazu vernehmlich „Ja" und setzt sich mit verschiedenen Aeußerungsformen desselben auseinander und sagt dazu entschieden „Nein". Das liegt aber nicht daran, vvie Krojanker meint, daß der eben Konterfeite sein Gesicht verzogen und sich ungehörig („inkonsequent") benommen hat, sondern daran, daß das. Konterfei edel, aber dem Abgebildeten nicht ähnlich ist. Diese Ideologie lst ein Anzug, der nicht nach Maß gearbeitet, seinem Träger um die Kniee schlottert. Schade um den schönen Stoff und die gute Arbeit! Was hat uns Zionisten dieser neudeutsche Nationalismus zu sagen? Was ^vir theoretisch schon wissen und praktisch immer aufs Neue erfahren müssen: Unser Anders-sein. Gerade, wenn Völker auf gleiche Fragen zu antworten» 5Ich in ähnlichen Situationen zu bewähren haben, erweist sich ihre Verschiedenartigkeit. Wenn wir in schwerster Notzeit, wirtschaftlich und poü- 137