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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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Gegenüber Landauers Frage, warum die Juden sich einmal mit dem Liberalismus verbinden konnten und beute gezwungen sind, den Kommunis, mus abzulehnen, verweist Blumenfeld auf die Rede Winters, die er in ihren Gedankengängen voll akzeptiert und auf sein eigenes Korreferat. Der Liberalismus kannte die staatsfreie Persönlichkeit in einem anderen Maße als der -Kommunismus, in dem sich Menschen und Gruppen viel uniformer einfügen müssen als in den liberalen Staat der früheren Zeit, Will man sich „zeitgenössisch" verhalten, so muß die Akzeptierung der kommunistischen Zeitströmung auch bei besten jüdisch-nationalen Absichten den Tod des Judentums herbeiführen. Die Doppelsituation, die für Juden in der liberalen Aera möglich war, ist innerhalb einer zur Macht gelangten kommunistischen Herrschaftsform undenkbar. Die Lage des Judentums ist ein Sonderfall in der Politik. Die allgemeine Entwicklung ist trotz alles zionistischen Strebens den auflösenden Kräften des jüdischen Sonderlebens günstig. Die jüdischen Inhalte werden immer weiter verdünnt und die Zahl der Juden, die auf Grund ihrer Verbundenheit mit jüdischer Vergangenheit im Gefühl der Liebe zum eigenen jüdischen Geschick zur zionistischen Entscheidung befähigt sind, nimmt ab. Blumenfeld weist nach, daß der Zionismus dieser Generation anachronistisch wirken müsse. Er holt Entwicklungen nach, die andere Völker bereits durchgemacht haben und er kann der jüdischen Volksauf gäbe nicht dadurch gerecht werden, daß er ohne ausreichende Basis in scheinbarer Ueberspringung von Entwicklungsphasen den letzten Strömungen der europäischen Welt Genüge tut. Die zionistische Erziehung hat das Nicht-Eingegliedertsein der Juden zu zeigen. Sie kann auf das Persönlichkeitsproblem, auf die Bedeutung der geistigen Kontinuität, auf die historische Begründung nicht verzichten; in ihr muß von der Realität Palästinas eine große Wirkung ausgehen, wobei mit voller Klarheit das gegenwärtige Entwicklungsstadium und die besonderen, der europäischen Entwicklung nicht oder noch nicht entsprechenden Bedürfnisse des Lebens als maßgebend für unsere Aktion aufzuzeigen sind. Die Verdichtung des Judentums auf Grund der Erkenntnis unserer besonderen Lage ist wichtigstes Erziehungsziel und bester Schutz vor den Verlockungen aktueller, unserem Zustand inadäquater Weltwellen. Die große Gefahr liegt in der fatalistischen Vorstellung von der Ewigkeit und Unerschütterlichkeit der empirischen jüdischen Welt. Die Aushöhlung jüdischer Menschen kann, wenn sie weiter dem allgemeinen Leben vertrauen, dazu führen, daß sie nicht mehr Ziönisten werden können. Hier ist entgegenzuarbeiten durch eine ausschließlich palästinozentrische Erziehung und durch den mit ihr zusammenhängenden verstärkten Ausbau unserer Positionen in Erez Israel. Nachbemerkung: Bbr. Krojanker hat uns gebeten, zu dieser Diskussion noch einmal im J.St. Stellung nehmen zu können; da er von seiner Palästinareise noch nicht zurück ist, haben wir diese Stellungnahme für die nächste Nummer des J.St. vorbehalten. 124

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