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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Kommunismus der Zionismus nicht mehr denkbar ist, so ist der Zionismus in der Tat eine ephemere Erscheinung. Aber was wir Zionismus nennen, hat es im jüdischen Volk auch gegeben, ehe die modernen Formulierungen des Nationalismus aufkamen. Hierauf berufen wir uns ja selbst in der Propaganda. Warum soll es unausweichlich sein, daß der Zionismus bei der nationalen Argumentation stehenbleiben muß, mit einer anderen Begründung aber nicht mehr gedacht werden kann? Die geistige Entwicklung geht aber nicht rückwärts. Auch wenn der Nationalsozialismus nicht durchdringen würde, ist es unvorstellbar, daß man wieder zur 48er Demokratie zurückkehrt. Die Umwandlung der Begriffe, die nun eingesetzt hat, ist historisch begründet. Es ist vollkommen richtig, was Blumenfeld sagt, wir sind in gewisser Hinsicht ein Anachronismus. Als nationale Forderungen galten, haben wir unsere Aufgabe nicht zu Ende gebracht und müssen das heute tun. Unsere Aufgabe ist, zu zeigen, daß wir das, was wir jetzt und später zu tun haben, tun müssen und können. Wollen wir unserer Aufgabe gerecht werden* so müssen wir hervorheben, was im Zionismus nicht liberalistisch und zeitgebunden ist. Es wurde gesagt: töricht sind alle Versuche, zwischen Zionismus und Kommunismus eine Brücke schlagen und sie verbinden zu wollen. Wer das will, wird in der Tat keinen Erfolg haben. Wir sollen nicht eine Brücke schlagen, sondern unsere Situation und ihre Begriffswelt den andern klarmachen. Dabei ist die theoretische Seite des historischen Materialismus zwar nicht das Belangvolle, aber er ist als eine Deutungsform der geschichtlichen Phase, in der die arbeitende Masse sich anschickt, die soziale Stellung zu stürmen, ein realer Wert. Wenn man sich mit ihm auseinandersetzt, muß man ihm allerdings gerecht werden, was Krojanker in seinem Artikel nicht getan hat. Er tut, als wolle der historische Materialismus alle Geschehnisse unter den Menschen erklären. Der historische Materialismus will jedoch nur in einem ganz bestimmten Bezirk wissenschaftlich arbeiten. Er setzt dabei voraus, daß eine Gesellschaft auf einem Territorium, mit eigener Wirtschaft und eigentümlicher Kultur lebt. Darüber will er nicht diskutieren und nicht urteilen. Er glaubt aber, daß die Schicksale dieser Gesellschaft von realen ökonomischen Faktoren maßgebend bestimmt sind {und daß alles Ideologische erst ein Reflex dieser Voraussetzungen ist.) Wir haben in der Debatte Kommunismus — Zionismus daher die alte zionistische Aufgabe: zu zeigen, daß die Erkenntnis, die der historische Materialismus für die Volker auf ihrem Boden mit ihrer Wirtschaft und ihrer Klassentrennung gewonnen hat, nicht anwendbar ist auf unser jüdisches Volk, das alle diese Attribute nicht hat. Wir haben uns zu schützen vor einer banalen schematischen Anwendung dieser Gedankengänge, die eben keine Analogie zulassen für die Lage des Diaspora- Volkes. Genau so haben wir gegen den Liberalismus kämpfen müssen. Wir müssen nachweisen, daß wir in einer Situation leben, in der das übliche Schema auf uns nicht anwendbar ist. Eine große Gefahr besteht. Die Rede Lichtheims zeigt sie deutlich: Wir verwenden heute bei uns,, im Zionismus, dieselbe Terminologie, die z. B. der Kommunismus auf ganz andere Verhältnisse anwendet. Wenn man von unserer „rein nationalen" Bewegung spricht, so ist mir verständlich, daß man nicht das meint, was die anderen unter „national" verstehen und was höchst kompromittiert ist. Es gibt unter den 120

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