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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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uns den Zionismus aus der imperialistischen Entwicklung nachzuweisen. Es war aber eine Zumutung, solche historischen „Wahrheiten" anzuhören. Nun zur Sache selber. Was wollen wir erreichen? Mit wem diskutieren wir? Wollen wir uns immunisieren gegen den Kommunismus? "Wenn ja, dann waren alle Reden von dem besten Willen getragen und auch — für die Redner selbst — erfolgreich. Es handelt sich aber um etwas anderes. Wii * wollen unsere Sache offensiv vertreten. Wir planen einen Vorstoß in ein Gebiet, das kommunistisch erfaßt ist oder erfaßt zu werden droht. Und mit welchen Waffen ist dieser Kampf zu führen? Mein Referat auf dem Altherrentag über Zionismus und Kommunismus ist schlecht aufgenommen worden. Ein Grund war, weil ich einleitend die Methoden, mit denen ma^n sich bisher vom zionistischen Standpunkt aus mit dem Kommunismus auseinandergesetzt hat, für unzulänglich und unstatthaft erklärt habe. Es ist falsch zu glauben, wir könnten diese Auseinandersetzung führen als politische Debatte gegen Rußland. Wie töricht sind die Versuche, den Kommunismus durch einzelne negative Erscheinungen in Rußland widerlegen zu wollen! Sie beweisen genau so wenig gegen ihn wie negative Erscheinungen in Palästina etwas gegen den Zionismus. Sodann hatte ich damals in dem Kampf der Gegenwart Stellung genommen, eine bestimmte Position bejaht. Das hat dem Kartell nicht gelegen. Aber das muß ihm eines Tages liegen! Offensiv vorgehen nun heißt, daß es nicht unsere Aufgabe ist, unseren Zionismus uns selbst zu bescheinigen, sondern einen Kampf zu führen gegen eine andere Welt. Man kann sagen: Uns liegt nichts an ihr; es sollen sich ruhig Juden assimilieren; schear jaschuw. Ich glaube aber, die Entwicklung kann für den Zionismus und den Bestand des Judentums bedrohlich werden. Wir sollen uns darum nicht einfach auf unsere überkommene Position zurückziehen. Wenn wir den gedanklichen Weg gehen, den ich gehen will, haben wir eine Entwicklung, die begonnen hat und weitergehen wird, zu bejahen und selbstverständlich unseren zionistischen Standpunkt zu erhalten. Dazu muß man die Dinge ernst nehmen. Wir können in diesen Fragen deswegen keine Abstinenz üben, besonders unsere Jugend nicht, weil sie es sich einfach nicht gestatten kann. Nur diejenigen Menschen können einen unabhängigen Standpunkt einnehmen, die ihn sich leisten können. Ob wir Juden Recht daran tun, uns an solche Bewegungen anzulehnen oder nicht, hängt doch nicht ab von unseren Erkenntnissen, sondern davon, ob das Leben unsere Menschen dazu zwingt. Kommen die Nationalsozialisten zur Macht, so wird niemand , die Jugend von ihrem Anschluß an die Partei die am stärksten dagegen kämpft,'zurückhalten können. Wir sollen sie daran auch gar nicht hindern. Wir müssen nur klarmachen, daß sie von einer vollkommenen Assimilation keinen Gebrauch machen kann und soll. Unsere Aufgabe in dieser Diskussion ist folgende: Wir haben in das Bewußtsein der jüdischen Menschen zu heben, daß auch in einem geistigen System, in-dem einige Grundbegriffe des Zionismus, wie wir ihn bisher erläuterten, nicht mehl Selten, für den Zionismus Platz ist. Es besteht eine klare Alternative: Entweder — der Zionismus ist keine vitale Angelegenheit des jüdischen Volkes» oder — wenn er es ist, muß es auch möglich sein, jener neuen Welt den Zionismus klar, verständlich und begreiflich zu machen. Ist es so, daß im 119

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