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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Zion schon klar formuliert. Das ist nicht ganz richtig. Gewiß, diese Erkenntnisse finden sich bei Borochow. Wichtig ist aber, daß er versucht, sie rein marxistisch, vom Produktionsprozeß her zu begründen. Und das halte ich für absolut untragbar. ~ Was ist denn der Zweck einer Ideologie? Was ist der praktische Sinn der Tatsache, daß man eine bestimmte Idee, deren Verwirklichung man anstrebt, immer wieder durch ein bestimmtes System von Gedanken zu unterbauen, zu beweisen, zu verfechten sucht? Nun, man will diese Idee so scharf und klar gegen alle anderen abgrenzen, daß sie nicht nur eindeutig bestimmt -ist, sondern daß sie vor allem überzeugt. Die ideologische Formulierung einer Idee dient ihrer Abgrenzung, ihrer Rechtfertigung und in allererster Linie ihrer Durchsetzung. Eine Ideologie ist daher nur dann politisch sinnvoll, -wenn sie der in ihr enthaltenen Idee den Ausdruck der unbedingten ausschließlichen Heilslehre gibt. Die Kraft der marxistischen, d. L kommunistischen Ideologie besteht ja eben darin, daß sie prätendiert, alle Probleme ■der Menschheit zu losen, indem die das Problem des gesellschatflichen Produktionsprozesses löst. Und hier ist die entscheidende Schwäche der poalezionistischen Ideologie: sie vertritt den Zionismus nicht als reine, sich selbst genügende, die Judenfrage in ihrer Ganzheit losende Idee, sondern nimmt die entscheidenden, historisch-materialistischen Denkelemente des Marxismus in sich auL Damit aber verliert sie jede Widerstandskraft gegenüber dem Marxismus der Kommunistischen Partei. Ich bestreite, daß Löwenstein oder irgend ein anderer Poale Zionist imstande ist, von der Basis des historischen Materialismus des orthodoxen Kommunismus Moskauer Observanz aus^ gegen einen Kommunisten die zionistische Idee zu verfechten. Er wird sich niemals durchsetzen können. Zwischen der zionistischen Idee und der Marxistischen gibt es keine Möglichkeit der ideologischen Synthese, die nicht zum Schaden des Zionismus ausgehen muß. Nicht, weil der Zionismus die schwächere Idee ist, sondern weil das Wesen des Nationalen in den Denkkategorien des historischen Materialismus keinen adäquaten Ausdruck finden kann. Es wäre interessant, diese Feststellung erkenntnistheoretisch. zu beweisen. Aber dazu fehlt die Zeit. Ich fasse zusammen: Diskussionsbasis gegenüber dem Kommunismus kann immer nur die Feststellung sein, daß sich das jüdische Volk erst die Grundlage, den historischen Standort seines Seins schaffen muß.- Und diese Auseinandersetzung kann nicht geführt werden mit den Argumenten des Poale- Zionismus, weil diese in folgerichtiger marxistischer Zuendeführung zur Auflösung der Idee der Nation in ökonomische Elemente führt, Georg Landauer: Ich will zunächst auf eine Bemerkung von Schloß eingehen: „Man solle doch diese Episode, über die hier gesprochen wird, den Kommunismus, nicht so ernst nehmen. —■ Nun gibt es Menschen, die glauben, daß diese „Episode" nicht künstlich herbeigeführt ist, sondern sich aus der Geschichte ergeben hat, die uns diese Auseinandersetzung und Entscheidung stellt. „Diese Diskussion verbinde den Zionismus mit etwas Fremdartigen?" Aber auch Schloß bemüht sich, seinem Zionismus eine Fundierung zu geben, — Nur aus dem System des Imperialismus! Man wendet sich •manchmal mit großer Ueberlegenheit gegen Vertreter des historischen -Materialismus. Schloß hat das getan und kam mit dem traurigen Versuch, 118

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