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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Sozialismus vorläufig nichts oder sehr wenig zu tun. Das ist der Irrtum von Löwenstein und Krojanker und der ganzen Generation von K.J.V.era, die sich einem Sozialismus verschrieben haben, der in Wirklichkeit gar keiner ist Zionismus ist seiner Natur nach eine nationale Sache." Die Organisierung der Arbeiter Palästinas in gewerkschaftlichen Formen ist noch lange kein Sozialismus. Es gibt vorläufig keinen Sozialismus in Palästina und kann auch keinen geben. Das Land braucht den Zustrom von Kapital. Die Wirtschaftsauf gab en Palästinas sind nicht sozialistisch zu lösen. Die Kwuzah hat nichts mit Kommunismus zu tun, so wenig wie der gemeinsame Futternapf der Wandervögel. (Zwischenruf: und die gemeinsame Kindererziehung?) Die gemeinsame Kindererziehung kann es in einem kommunistischen Staat geben, sie macht aber allein noch keinen Sozialismus aus. Diejenigen, die es wollen, sollen diese Dinge ruhig tun. Das sind letzten Endes Geschmackssachen, die mit ökonomischem Sozialismus gar nichts zu ton haben» Unsere Aufgabe ist eine wesentlich nationale. Wenn wir die Jugend ergreifen wollen, müssen wir das deutlich sagen. Diese Idee der wirklichen Lösung der Judenfrage durch einen wirklichen Judenstaat in Palastina — allerdings durch nichts anderes — ist ein Ziel, für das man die Jugend begeistern kann. Abzulehnen ist die Art der Betrachtung, die bei uns so vielfach geübt wird, und die wir auch bei Krojanker antreffen. Der Versuch einer ideologischen Ausdeutung unserer Bewegung zu dem Zweck, sie mit anderen, völlig andersartigen, aus anderen Bedingungen entstandenen Bewegismgen zu konfrontieren und zu verknüpfen, ist völlig verfehlt. Ich möchte da eine JErkenntnis aussprechen, die ich gerade in unseren Kreisen für so überaus notwendig halte: Bewegungen sind nicht da wegen des „Ismus", auf den sie enden; Bewegungen sind nicht deshalb da, weil sie eine Ideologie haben. Eine echte Bewegung ist nur da, wenn sie natürliche und notwendige Quellen hat. Uns scheint der Zionismus solche Quellen zu haben. Es ist dalier vollkommen falsch, diese oder jene Ideologie, die einem zusagt, nun mit einer aolchen Bewegung, die ganz anderen Ursprungs ist, ä tout prix verknüpfen zu wollen. Was ist eine nationale Bewegung? Eine Nation ist eine Existenz- Tatsache. Eine nationale Bewegung entsteht erst dann, wenn aus gegebenen Zeitverhältnissen heraus diese Nation sich in Bewegung setzt — auf irgend «in Ziel hin. Wenn sie dieses Ziel nicht hat, so gibt es keine nationale Bewegung. Darum können die Nationalsozialisten soviel reden, wie sie wollen: süe Bewegung ist nicht echt, sie hat kein echtes Ziel. Sie ist nur ein Zusammenlaufen der unzufriedenen Elemente. Mich besticht das nicht. Diese Bewegung ist^eine ungeheure Seifenblase und wird darum eines Tages platzen. Man kann nicht in der gegenwärtigen Lage Deutschlands sich vom Großkapital finanzieren lassen und gleichzeitig behaupten, Sozialist zu sein- Daß ifer deutsche Spießer darauf hereinfällt, ist eine Tatsache. Aber sich vor aSeser Tatsache zu beugen, wäre intellektueller Selbstmord. Eine rechte nationale Bewegung ist eine solche, die auf der Grandlage «mes klar formulierten Programms auf ein erkennbares Ziel hinsteuert. Der Zionismus ist eine nationale Bewegung, solange er für das leidende und wandernde jüdische Volk die territoriale Erfassung des Landes zu beiden Seiten des Jordan erstrebt 116

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