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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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weiter und sage: Letzten Endes, auf dem Gebiete der reinen Theorie, ist sogar Zionismus und Kommunismus vereinbar: Der Kommunismus leugnet ja nicht die Existenz der Nationen. Man konnte sieb also vorstellen, daß in einem Sowjet-System, wenn es ganz durchgeführt ist, das jüdische Volk irgendwo im Rahmen dieses Systems lebt. Will man dennoch — was durchaus nötig ist — heute dem Kommunismus entgegentreten, so muß man sich aui den Boden der jüdischen Realität stellen. Auf diesem Boden zeigen sich heute scharfe Gegensätze. Der Zionismus hat sich mit dem kapitalistischen England verknüpft, um seine Ideen durchzuführen. Das ist wahr und daran kann auch kein Pazifist etwas ändern. Es besteht ferner ein Gegensatz in der Bewertung der Aufgaben. Man kann sich vielleicht mit gebildeten Kommunisten theoretisch über die Existenzberechtigung der Nation einigen, aber der Gegensatz entsteht im Augenblick, wo das jüdische Individuum sich entscheiden muß, welche Aufgabe — die jüdisch-nationale oder die allgemeinsoziale —• ihm im Moment die wichtigere zu sein scheint. Dagibt es nur eine Entscheidung für die eine oder die andere Aufgabe, es ist kein Kompromiß in der Praxis möglich. Wir können nur sagen: Für uns ist dieses kleine Palästina, die Errettung des jüdischen Volkes, die wichtigere, größere, zeitnotwendigere Aufgabe. Wir müssen ferner unserer Jugend sagen, daß bei dem Zustrom junger Menschen zum Kommunismus sehr häufig der psychologische Vorgang kein anderer ist als der, den wir unter dem Begriff der Assimilation verstanden haben. Damit ist nicht der Kommunismus widerlegt, aber vielleicht die Leichtfertigkeit gedämpft, mit der sich junge Juden heute dem Kommunismus anschließen. Ich glaube, daß auf diesem Gebiet dieselbe Erziehungsarbeit zu leisten ist, wie früher in der Epoche der liberalen Assimilation. Noch etwas anderes haben wir der Jugend zu sagen: Der Zionismus hat reale Voraussetzungen, sonst könnte er nicht existieren und sich durchsetzen. Der Kommunismus kann die Judenfrage auf der Welt heute nicht lösen« Darum hat der Zionismus seine Existenzberechtigung gegenüber dem Kommunismus auch heute, weil dieser ja keinen Versuch macht oder machen kann, die Judenfrage im jetzigen Stadium zu lösen. Fragt man weiter: Wie will der Kommunismus die Judenfrage in der Zukunft lösen?, so gibt es auch da nur zwei Wege: die Assimilation oder die Konzentration. Gegen die Assimilation bestehen dieselben Bedenken, wie in den vorangegangenen Epochen der Geschichte. Es handelt sich nicht nur um das Aufgeben der eigenen Persönlichkeit, wie es jede Assimilation bedeutet; eine tatsächliche Assimilation würde auch wieder auf neuen Antisemitismus stoßen. Das jüdische Mittelstandsvolk kann sich in ein kommunistisches System nicht so leicht einfügen, wie Bauern und Arbeiter. Es wird sich dann herausstellen, daß die andere Lösung, die territoriale Konzentration der Juden, die richtigere ist, auch vom kommunistischen Standpunkt aus. Warum sollen wir Juden dann nicht an dieser permanenten Aufgabe schon heute arbeiten, wo der Kommunismus praktisch an die Lösung der Judenfrage überhaupt noch nicht herangehen kann? Die Begründung des Zionismus muß sich also viel mehr auf diese realen Dinge stützen und nicht auf den Versuch einer prinzipiellen Widerlegung des Kommunismus. Noch verfehlter und verwirrender aber ist der hier so populäre Versuch ^ner Synthese. Zionismus als praktische Aufgabe hat mit Kommunismus r 115

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