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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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sehen, daß wir dabei hauptsächlich in der Defensive sind, daß es sich für uns zum sehr wesentlichen Teil um unsere eigenen Menschen handelt, die wir gegen das, was um sie her vorgeht, in ihrem Zionismus zu befestigen haben. Wir sind eine nationale Bewegung. Es ist leider keine Ueberfiüssigkeit, das bei uns zu betonen. Wenn es heute zionistische Gruppen gibt, die fürchten» mit anderen nationalen Bewegungen verwechselt zu werden, so ist es schlimm um unser Nationalgefühl bestellt. Wir waren immer gezwungen, geistiges Material aus der Umwelt zu nehmen, und werden es jetzt auch tun müssen. Für uns handelt es sich freilich gegenüber dem Faschismus nicht um ein Jasagen, sondern um die Erkenntnis, daß es in dieser nationalen Bewegung Momente, Gedanken, Anschauungen gibt, die irgendwelche Parallelen mit unserer nationalen Bewegung aufweisen. Es ist klar, daß wir dieser Beeinflussung weniger zugänglich sind als der kommunistischen, aber unverkennbar, daß es auch sie gibt. Wer die Revisionisten kennt, wird nicht übersehen können, daß hier Parallelen mit den faschistischen Strömungen bestehen. Das soll keine Kritik sein, es ist natürlich, daß eine bestimmte Gruppe hier Anlehnung in geistiger Beziehung finden muß. Wir werden dagegen kämpfen, aber es ist nicht illegitim, daß auch diese Dinge bei uns eine Rolle spielen. Zum heutigen Thema, der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, möchte ich etwas Grundsätzliches vorausschicken. Ich kritisiere nicht Blumenfelds Standpunkt, ich halte ihn aber für einseitig. Seine Rede ist ideengeschichtlich, sein Standpunkt ist der eines Wissenschaftlers, eines Intellektuellen, nicht der eines Menschen, der in den Dingen irgendwie mit verhaftet ist. Blumenfeld verkennt, daß der Jude heutzutage nicht nur die Aufgabe hat, sich mit verschiedenen Strömungen theoretisch auseinanderzusetzen, sondern daß er in sie hineingestellt ist als Glied einer Klasse und Gruppe, Man soll auch vom zionistischen Standpunkt aus den Schritt machen, anzuerkennen, daß der Jude als Glied der Wirtschaft und Gesellschaft, in der er sich nun einmal befindet, ganz genau so von ihnen beeinflußt wird wie der Nichtjude. Seit ca. 100 Jahren sind die Juden immer stärker in die Wirtschaft der Wirtsvölker hineingewachsen. Die Juden sind zum großen Teil liberal, weil es ihrer gesellschaftlichen Situation entspricht. Die großen Gruppen, denen die soziale Frage auf den Nägeln brennt, können sich in diesem Augenblick1 nicht auf ihr Judentum zurückziehen, weil es ihnen zur Zeit nicht weiterhilft. Als der Kommunismus in Rußland 'anfing, stand der einzelne Jude in dieser Entwicklung genau so drin wie jeder andere. Die jüdische Jugend in Rußland steht heute vor der Notwendigkeit, zu arbeitenden Berufen überzugehen. Sie kann sich nicht auf Grund ihres Zionismus dieser Entwicklung entgegenstellen. Geht sie aber den Weg der Proletarisierung, so kommt diese Entwicklung von selbst, sie übernehmen die Gedanken ihres neuen Lebenskreises. Deshalb besteht für uns als Zionisten eine unendlich schwierige Frage: an dieser Entwicklung teilzunehmen und den Zionismus gleichzeitig weiter zu führen, in der Tat als etwas Anachronistisches im Sinne Blumenfelds. Wir dürfen aber nicht mechanisch 30 bis 40 Jahre hinter der Entwicklung herhinken, wir müssen vielmehr die Entwicklung schnell vorausnehmen. Wir müssen Dinge schnell lösen, zu denen andere viel länger Zeit hatten. Für uns geht Aufbau und sozialistischer Aufbau unseres Landes Nebeneinander. Das ist kein Zufall, sondern liegt in unserer ganzen Situation, 113

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