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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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zionistischen Bewegung hinweisen, sondern immer nur dann, wenn wir den Nachweis führen, daß jeder Versuch der Juden, das Leben zu gestalten, nur im jüdischen Palästina stattfinden kann und daß wir in allen Ländern der Welt, auch wenn wir noch so sehr auf gleicher Ebene mitzuleben bemüht sind, einen menschlich unerträglichen Ausnahmezustand erleiden, und daß der jüdische Sozialist genau so mit der Gesamtheit des jüdischen Volkes verbunden ist wie der russische oder deutsche Sozialist, für den der Kampfplatz national eindeutig bestimmt ist. In Wahrheit werden sich im Kampf um die kommunistische Idee — genau so wie bei früheren Generationen — nicht kommunistische und antikommunistische, sondern nationale und auf der anderen Seite assimilatorische oder scheinnationale Juden scheiden. Schloß: Blumenfeld will aus der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts unsere Stellung zum Kommunismus ableiten. Mit dieser dialektischen Methode kommt man nicht durch. Nur durch Analyse der ökonomischen und sozialen Kräfte kommt man zu brauchbaren Ergebnissen. Grundtatsache ist, daß die Bevölkerung der Erde um 1800 rund 800 Mill-, um 1900 rund 1800 Mill. betrug. Die Bevölkerung Europas hat sich in dieser Zeit verdreifacht. Gleichzeitig ist die Lebenshaltung der breiten Massen um ein vielfaches höher als 1800. Das ist eine Folge der ungeheuren Entwicklung der produktiven Kräfte, die noch keinesfalls abgeschlossen ist. Diese produktiven Kräfte haben auf der Grundlage der gewaltigen Bevölkerungsvermehrung zu einer Entfesselung von Massenbedürfnissen geführt» von deren Befriedigung sie abhängig sind. Die kaufkräftige Nachfrage der Massen ist Voraussetzung für die Ökonomische Gestaltung der produktiven Kräfte. Heute wird die Weltpolitik beherrscht von dem immer mehr wachsenden Widerspruch zwischen den produktiven Kräften und den Bevölkerungsmassen auf der einen Seite und den überlebten Staatsbildungen, die mit diesen Kräften nichts anzufangen wissen, auf der anderen. Dieser Konflikt ist die geschichtsbildende Kraft, die jetzt am Werke ist. Im Augenblicke versuchen die Staaten, ihre historischen Formen und die Systeme ihrer gegenseitigen Abgrenzung gegen die neuen Mächte zu konservieren. Ich glaube, daß die historisch gewordenen Staaten und Staatensysteme einen aussichtslosen Kampf kämpfen. Durchsetzen werden sich auf die Dauer die auf Bildung großer Wirtschaftsräume tendierenden produktiven Kräfte und die systematisch zu immer neuen Bedürfnissen aufgepeitschten Menschenmassen. Unsere zionistische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und das Verhältnis Europas zu dem, was sich hinter den russischen Grenzen abspielt, ist nur Teil eines viel umfassenderen Weltproblems, nämlich der Notwendigkeit einer Anpassung bestehender Staatsformen und Staatssysteme an die Vervielfachung der produktiven Kräfte und der Menschenmassen im 19. Jahrhundert» Heute sitzen sich die Staatsmänner gegenüber mit der vollen Erkenntnis dessen, Was geschehen müßte und der gleichzeitigen Erkenntnis, daß die Durchsetzung des als richtig erkannten im Rahmen der Demokratie unmöglich ist. daraus folgt, daß, wenn die Staatsmänner sich mit ihrer besseren Erkenntnis nicht durchsetzen, die Anpassung der alten politischen Systeme an die neuen Iii

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