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Der jüdische Student · 1932-05-01 · Heft 4 (Mai 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 4 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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messianischen Honmingen, Wer die Zeit, in der er lebt, für die letzte hält, der kann allerdings auch ruhig sterben; denn Untergang im Endgültigen bedeutet ja letzte Erfüllung der menschlichen Existenz. Wer aber weiß, daß es eine Endgültigkeit nicht geben kann, für den bleibt höchstes Ziel die Erfüllung seiner besonderen Aufgabe in allen zukünftigen Perioden des geschichtlichen Geschehens. Es handelt sich bei der Behandlung des kommunistischen Problems entscheidend darum, ob das jüdische Volk imstande ist, mit ihm in seiner Art fertig zu werden, ob es nur mitmachen oder ob es auch beim Mitmachen Widerstand zu leisten vermag. Seitdem auch innerhalb der sozialistischen Welt die Nation in ihrer tatsächlichen Bedeutung anerkannt ist, kann der Jude wissen, daß seine im gegenwärtigen Augenblick anachronistische Aufgabe darin besteht, . mit Uebersteigerung, mit letzter Anstrengung, die Wiedergeburt der eigenen Nation herbeizuführen und die Quellen des eigenen Lebens wiederzuerobern. Gerade der Jude, der heute aufs tiefste davon erschüttert wird, daß in China Millionen hungern, daß in Rußland Millionen nicht zu leben vermögen, daß der Organismus des deutschen Volkes durch wirtschaftliche Not aufs schwerste erschüttert wird, daß auch in den Ländern, in denen die Vorkriegsordnung noch mit Mühe aufrechterhalten wird, das Problem der Massen in seiner ganzen Furchtbarkeit besteht, muß wissen, daß er an der Neuordnung der Welt nur dann wirksam mitarbeiten kann, wenn er auf Grund seiner geschichtlichen Entwicklung den ihm eigentümlichen Weg geht. Als er Europäer wurde, zerstörte er seinen jüdischen Inhalt, substanzlos blieb er Jude, und doch war keine Assimilation imstande, die Weltjudenfrage zu lösen. Er hat heute nur die Wahl, ob er ohne innere Sicherheit, ohne eine mit seinem Wesen verknüpfte Zukunftshoffnung der Entwicklung folgen will« oder ob er durch Aufbau des eigenen Lebens in die Gestaltung des Weltgeschehens wieder einzugreifen vermag. Solange es möglich war, in einer diskutierenden Welt — und das war die Welt des 19- Jahrhunderts und das ist noch heute die Welt der Intellektuellen — sich gedanklich zu behaupten, konnte man sich darüber täuschen, daß alle Zeitgenossenschaft und alle scheinbar mutige Mitarbeit in der. sichtbaren Sphäre des allgemeinen Lebens im Grunde nur einen defensiven Charakter trug. Wer heute wirken will, kann sich nicht damit begnügen, einer allgemeinen Erkenntnis Rechnung zu tragen, der muß offensiv Leben gegen Leben setzen. Auf die Frage, wo das jüdische Volk entwicklungsmäßig im Jahre 1932 steht, müssen wir sagen, daß die jüdische Gesamtheit sich in einem Zustand befindet, in dem sie zunächst das nachzuholen hat, was die anderen Völker als Voraussetzung ihres Lebens besitzen. Auch die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus kann nur so erfolgen, daß der Zionismus in voller Einschätzung der Bedeutung dieser Bewegung für die Entwicklung der Welt die Notwendigkeit darlegt, die Rettung der jüdischen Volkspersönlichkeit herbeizuführen, um dem jüdischen Volk zur zeitgenössischen Existenz zu verhelfen. In der Diskussion mit dem Kommunismus werden wir überhaupt nicht bestehen, wenn wir in erster Linie auf die sozialistischen Elemente in der 110

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