Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gewiß. — Aber wir waren uns in den ersten Diskussionen des Berufsressorts einig: es steckt noch alles in den Kinderschuhen; die Einstellung des Einzelnen muß anders v/erden; die Mitarbeit aller ist notwendig. Bisher konnten wir uns vielleicht — wenn auch unbewußt — „Vornehmheit** und Bagatellisierung leisten. Bisher war auch wohl die ökonomische Basis zu gesichert, um die Wichtigkeit dieser Dinge ganz zu erfassen. Heute ist es eine Lebensfrage, wenn es auch Mancher noch nicht weiß — morgen vielleicht in noch höherem Maße, Tachles J Bbr, Rothschild hat auf der letzten Altherrentagung und in einem Artikel im J.St, schon vieles erwähnt. Die Arbeit, die jetzt beginnen soll, wird drei Gebiete umfassen: 1. Berufsberatung und berufliche Zusammenarbeit (Stellenvermittlung}, 2. Gegenseitige wirtschaftliche Hilfe und 3. beruflichen und wirtschaftlichen Zusammenhang mit Palästina. Berufsberatung — ein schwieriges Kapitel, wenn es verantwortungsbewußt gehandhabt wird. Nicht möglich und nicht zu verantworten sind allgemeine Tips. Aber man muß den jungen K.J.V.ern die Möglichkkeit geben, mit älteren, die entweder ein bestimmtes Fach beherrschen oder auf Grund ihrer Erfahrungen eine gute wirtschaftliche Uebersicht, etwa auch für Palästina, haben, ihre beruflichen Fragen zu besprechen. So werden individuell von Fall zu Fall manche Anregungen entstehen, etwa in der Richtung auf Berufe, die außerhalb des Ueblichen als Spezialberüfe auch heute noch Lücken der Wirtschaft ausfüllen oder wenigstens mehr Chancen bieten, oder solche die speziell für Palästina sinnvoll sind. Ueber die letzteren noch später. Ein Vertrauensmännersystem an allen wichtigen Plätzen soll gebildet werden und im engsten Konnex mit dem Präsidium arbeiten. Diese Mitarbeit der Vertrauensmänner ist für die berufliche Zusammenarbeit noch wesentlicher. Hier liegt es bei den Medizinern und Juristen anders als bei den Ingenieuren, Chemikern, Volkswirten und Kaufleuten. Bei den ersteren handelt es sich im wesentlichen um Niederlassungsmöglichkeiten, Assistentenstellen, Vertretungen, Ueberweisungen von Mandaten und manches andere, das hier nicht näher besprochen werden soll. Vieles ist schon getan; mehr noch ist zu tun. Die Berufsgruppenleiter werden sich in nächster Zeit mit den Fachkollegen in Verbindung setzen, um die nötige Organisation auf breiterer und gesicherter Basis zu schaffen. — Bei den anderen Berufsgruppen kommt es mehr auf die Vermittlung von Stellen an. Aufgabe eines größeren Kreises von geeigneten Vertrauensleuten wird es sein, jeden bekannt werdenden Posten der Zentrale mitzuteilen. Noch wichtiger ist es heute, wie die Dinge liegen, Stellen zu schaffen; das heißt: man wird an jeden K.J.V.er, der für Arbeits Vergebung in Frage kommt — und das sind mehr als man denken sollte —, aber auch an Außenstehende, Gesinnungsgenossen und Juden überhaupt, herantreten und in ständigem Konnex Arbeitsmöglichkeiten erkunden sowie geeignete Arbeitskräfte bekannt geben. Organisatorisch ist viel zu tun. Kartothekmäßige Sammlung des Materials muß die Arbeit von den jeweiligen persönlichen Kenntnissen des Leiters des Berufsressorts unabhängig machen. — 102