Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fortlaufend wird jede Niederlassungsmöglichkeit, Vertretung etcM vor allem jede Stellung nach Berufsgrappen getrennt den daran Interessierten durch Drucksache mitgeteilt. Dazu gehört, daß sich sofort jeder Bundesbruder, der diese Mitteilungen zu erhalten wünscht, mit näheren Angaben beim Berufsressort meldet. Bitte sofort erledigen! Jeder Suchende muß erfaßt werden; Schnelligkeit des Verfahrens ist wichtig. Auch der Arbeitgeber soll sich daran gewöhnen, daß er durch das Berufsressort stets die geeigneten Kräfte findet — sachlich, wirtschaftlich fundiert. Erwähnt sei noch, daß die berufliche Zusammenarbeit auf Anregung des Preußischen Landesverbandes auch auf weitere jüdische Organisationen ausgedehnt werden soll. Näheres hierüber wird noch berichtet werden <s. „Front jüd. Akademiker" S. 129>. Noch eins: alle Berufsgruppen müssen miteinander arbeiten. Der Anwalt hat unter seinen Mandanten Industrielle, die Stellungen zu vergeben haben. Der Arzt kann Chemiker bei pharmazeutischen Fabriken unterbringen. Der Ingenieur hört in seinem Betriebe von freiwerdenden kaufmännischen Posten. Der Kaufmann empfehle seinem Lieferanten den „richtigen" Anwalt! Der Möglichkeiten sind viele. Wir kommen damit zum zweiten Punkt unserer Arbeit: gegenseitige wirtschaftliche Hilfe. Auf die direkte Hilfe (Unterstützungen von Fall zu Fall, Freitische und vor allem die Kreditgenossenschaft) sei hier nicht näher eingegangen. Das Kartell von mehr als 2000 Menschen bedeutet — cum grano salis — auch wirtschaftlich eine Macht. Die gilt es heute auszunutzen! Jeder ist daran real - interessiert, wenn es richtig verstanden wird. Die Logen haben diese Arbeit in letzter Zeit stark ausgebaut; auch dort waren anfänglich heftige Widerstände vorhanden. Die sind auch bei uns vor allem zu beseitigen! Neben der beruflichen Zusammenarbeit, die mit aller Energie auszubauen ist, soll ein Bezugsquellennachweis den recht zahlreichen wirtschaftlichen Unternehmungen der Bundesbrüder helfen. Nicht aus Sentiments, sondern aus wohlverstandenem wirtschaftlichen Interesse aller. Es ist klar, daß der Bundesbruder vom Bundesbruder am besten beraten sein wird und alle nur möglichen Vergünstigungen erhalten kann. Man wird erstaunt sein, wieviele Gegenstände des täglichen und speziellen Bedarfes, wieviele Arbeitsleistungen man von Bundesbrüdern beziehen kann. Aber alle müssen sich daran beteiligen; nur das größte Ausmaß gibt der Sache Gewicht. Also: jeder K.J.V.er, der eine Ware oder Leistung (abgesehen natürlich vom Arzt oder Anwalt) anzubieten hat, gibt das sofort dem Präsidium mit allen Einzelheiten (evtl. Vergünstigungen etc.) bekannt. Ueber die Form der Veröffentlichung wird er dann Genaueres hören. Beruflicher und wirtschaftlicher Zusammenhang mit Palästina ist aufs engste mit den vorerwähnten Gebieten verknüpft. Es ist nicht wahr, daß unsere berufliche Vorbereitung, keinen Zusammenhang mit dem Aufbau Palästinas haben könne, etwa weil nun einmal der Beruf des Landwirtes bei uns keine Rolle spielt und wohl auch nicht spielen wird. Gewiß sind allgemeine Parolen falsch. Aber es gibt Berufe, die von Juden in Galuth fast nie ergriffen wurden, und die im Lande ihre Bedeutung haben, weil dort der gesamte Wirtschaftskomplex von Juden besetzt werden kann und soll. Man soll an „neue unbekannte" Berufe denken; man kann 103