Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehung durch ein Präsidium leisten soll, das Ihr mitwählt, in dem Ihr mit drin seid. Dieses Präsidium kann sich nicht über sachliche Dinge auseinandersetzen mit einem bestimmten Teil des Kartells, weil man es als .Fremdkörper empfindet und nicht haben will. Die Kadimah will für sich ein Eigenleben. Schön. Ein Eigenleben ist gewiß gut und berechtigt, die Makkabäa hat auch ihr Eigenleben. Aber wir stellen uns der Kadimah entgegen, wenn sie wünscht, daß die Nuance ihres K.J.V.er-Seins sich verhärtet und versteinert in eine bestimmte politische Stellungnahme. Alle einzelnen Dinge sind abhängig von der einen einzigen Tatsache, die uns so klar" geworden ist wie irgend etwas in der Aussprache mit der Altherrenschaft in Gegenwart der Chargierten. Trotz des Fernhaltens der Aktivitas haben wir verhandelt. Diese Aussprache sollte uns einander nähern. Gleich zu Beginn wurde uns gesagt: Wir wollen uns hier gern mit Euch unterhalten, aber es ist ganz ausgeschlossen, daß diese Diskussion vor das Plenum der Kadimah kommt. Und so ist es immer. Die Kadimah behandelt ihre Mitglieder, als ob sie kleine Kinder wären, die man vor jedem Luftzug hüten muß. Das widerspricht dem Leben des K.J.V., denn dieses Leben ist Bewegung. Das K.J.V. in seiner Gesamtheit ist so wesensverschieden von einem K.J.V. vor 10 oder 20 Jahren, wie heute die Menschen anders leben als vor 10 oder 20 Jahren, und da soll eine Gruppe im K.J.V. hypnotisiert eine bestimmte Anschauung als die ihre betrachten und' nichts an sich herantreten lassen, was diese Anschauung beeinträchtigen könnte? In der zionistischen Organisation sollen sich die Nuancen und Unterschiede stabilisieren in Parteien (aber es brauchten auch hier keine Parteien zu sein« die sich gegenseitig auffressen!), im K.J.V. soll es eine Auseinandersetzung von Mann zu Mann sein. Ich erkenne für ältere Menschen, die eine Ueberzeugung gewonnen haben, an, daß sie dabei bleiben. Aber der Chargierte der Kadimah sagte: Was unsere Altherrenschaft sagt, das gilt für uns. (Trampeln der Kadimahner.) Kein Trampeln kann meine Ueberzeugung erschüttern, daß das nicht wahr ist. Es kann nicht wahr sein, denn die Altherrenschaft hat einen Standpunkt, zu dem sie gekommen ist durch Verhältnisse und unter Bedingungen, die damals gegeben waren. Wie können die Jungen sagen: Wir fügen uns in allen Dingen. Laßt doch auf Euch alle Strömungen innerhalb des Zionismus einwirken? Es müßte schon wirklich ein Wunder der Geschichte sein, wenn nach gewissenhafter Prüfung alle zu derselben Ansicht kommen. (Großer Beifall). Hinter den alten Herren steht eine starke menschliche und sachliche Autorität, zugegeben. Aber seid doch gerecht! Ihr müßt uns doch die Chance geben, auch unsere Argumente auf Euch wirken zu lassen! Kinder, ich gehöre doch meinem ganzen Wesen nach zu den älteren Menschen. Aber ich bin der Ansicht, man darf nicht da stehen bleiben, wo man sich am wohlsten fühlt. Man darf die Jugend an ihrem eigenen Weg nicht hindern. Der Unterschied der Generationen ist für die Entwicklung unentbehrlich. Sobald eine Bewegung an ihrem Ziele oder tot ist, kann man auf einem Standpunkt verharren. Aber solange eine Sache in Bewegung ist, braucht man diese Entwicklung. Wir empfinden es als bedauerlich und halten es für eine große Gefahr, daß heute im Zionismus nicht nur Differenzierungen, sondern Spaltungen drohen. Das Einzige, worüber wir verfügen, was das jüdische Volk besitzt, ist die Organisation. Solange es eine zionistische Organisation gibt* sind 74