Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1932-03-01 · Heft 3 (März 1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537829-3537832--8278-3546335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

heit haben. Daß es zu Lärmszenen gekommen ist, ist noch das wenigste. Das könnte man aufgeregten jungen Menschen zugutehalten. Was uns viel mehr stört, ist die Gesinnung, aus der diese Dinge herausgewachsen sind. (Beifall.) Uns stört nicht der Lärm, sondern die unduldsame, politisch eingleisige Einstellung, die da glaubt, mit allen Mitteln sich durchsetzen zu dürfen. Jeden von uns hat ein .tiefes Gefühl der Beklemmung ergriffen, als wir von diesen Szenen an der Universität Jerusalem gelesen haben. Ich habe diese Sache hier vorgebracht, weil ich glaube, daß wir als K.J.V.er an ihnen sogar ein ganz besonderes Interesse haben. Bbr. Klee wird Euch nachher von der Deputation beim Rektor der Berliner Universität berichten, Ihr wißt, daß sie gegen die Vorgänge nicht so sehr protestiert hat, weil sie sich von ihnen getroffen fühlte, als im Namen des Geistes, eines Volkes des Buches, das gewohnt ist, Meinungsverschiedenheiten mit geistigen Waffen auszutragen. Folgerichtig müssen wir uns hier klar distanzieren von solchen Vorgängen, wenn sie an unserer Universität, von jüdischen Studenten hervorgerufen sind. (Beifall, Zwischenruf: Das gehört aber nicht auf den Kartelltagf) Ich will mich nun der Alltagsarbeit zuwenden, über die ich Euch namens des Präsidiums Rechenschaft erstatten will. Dieser Rechenschaftsbericht wird sich nicht nur auf das letzte Jahr beschränken. Auf dem letzten Kartelltag in Hamburg habe ich Euch gesagt, daß ein Jahr für eine Urteilsbildung nicht ausreicht. Jetzt blicken wir auf 2 Jahre der Arbeit zurück, und Ihr könnt nun schon über das urteilen, was wir geleistet haben. Die Linie ist bereits deutlich zu erkennen. Auf dem Dresdner Kartelltag stand das Kartell vor dem Zerfall. Ich glaube, daß diese Gefahr jetzt überwunden ist, daß wir heute fast uneingeschränkt von einem einheitlichen Kartell sprechen können. Ich will zunächst auf die Stellung des Präsidiums zum Kartell überhaupt eingehen, und da ist vor allem zu sagen: das Präsidium ist keine VerwaltHngsbehörde. Die Verwaltung mit guter technischer Arbeit ist eine Notwendigkeit. Das Präsidium ist auch diejenige Instanz, die die Linie anzugeben hat, in der sich die Entwicklung des Kartells bewegen soll. Eine über dem Volke schwebende Instanz kann das nicht. Deshalb war es unser Bestreben, den persönlichen Konnex mit jedem einzelnen Bbr. zu pflegen und zu vertiefen. Daß das in Berlin in der intensivsten Weise geschah, versteht sich von selbst. Aber auch den Verbindungen und einzelnen Menschen in der Provinz versuchten wir, durch Reisen näherzukommen. Das scheidende Präsidium — das ist meine Ueberzeugung — kennt die Menschen und Dinge besser, als vielleicht* je ein Präsidium. Die Einrichtungen der Camps und des Altherrentages haben sich gut bewährt. Wir gingen davon aus, daß wir uns unsere künftigen Bundesbrüder unter den Menschen werden suchen müssen, die ihre Anschauungen erst bilden. Hierbei können wir gar nicht weit genug zurückgreifen. Die zu diesem Zweck vorgesehenen Schülerbünde sind zum Teil schon gegründet worden und arbeiten auch zur Zeit bereits ganz gut. — Entsprechend dem Beschluß des vorigen Kartelltages haben wir ferner die Zusammenarbeit mit der damals neu gegründeten Z.J.St. aufgenommen. Auch diese hat sich bewährt. Das wichtigste Ressort des Präsidiums ist das Erziehungsressort. Diese Arbeit muß unter einheitlichem Gesichtspunkt stehen, ein bestimmter Typus des K.J.Vers, wie wir ihn heranziehen wollen, schwebt uns vor. Eine unserer 71

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.