Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitismus durch eine fast ein Jahrhundert lange Schulung geradezu prädestiniert. Die Deutschen waren es, die dem Antisemitismus seine Theorie gegeben haben. Dieses wissenschaftlich auf den Antisemitismus vorbereitete Volk hat nun aus verletzter Eitelkeit eine Form des Antisemitismus hervorgebracht, wie sie brutaler nicht gedacht werden kann. Wir müssen feststellen, daß jede Möglichkeit einer Verständigung, einer friedlichen Lösung unweigerlich zerstört ist. Das ist auch der Grund, warum das deutsche Judentum so erschüttert vor dieser Tatsache steht. Wenn die Nationalsozialisten an die Regierung kommen, werden sich in Deutschland Dinge abspielen, die sich die deutschen Juden nie haben träumen lassen. Die Nationalsozialisten versprechen ihren Anhängern Brot und Spiele. Das Brot können sie ihnen nicht geben, wohl aber die versprochenen Spiele. Wir Zionisten sind nicht so erstaunt über diese Dinge, denn wir haben niemals dieses Vertrauen der Nicht- Zionisten gehabt, daß die durch die Beteuerungen der Gleichartigkeit erkaufte Gleichberechtigung der deutschen Juden unverrückbar bestehe. Die Juden- Emanzipatoren haben die Juden den Deutschen gleichgestellt, nicht weil sie sie für gleich artig hielten, sondern aus allgemein-humanen Gesichtspunkten, auf Grund ihrer Doktrin. Die Juden haben immer das andere für das Bessere gehalten, haben unter Verbessern immer Aufgaben ihres Eigenen verstanden Dem gegenüber unser Weg: unsere Art zu betonen und ihre Gleich Wertigkeit mit der anderen! Die Weltkrisis wirkt sich auch auf die Ideologie des Zionismus aus. Der Zionismus entstand in einer Zeit des Imperialismus, dessen Ideenkreis er darum auch zionistisch verarbeitet hat. Heute, wo wir in einer Welt leben, in der sich neben einem militanten Imperialismus der Kommunismus immer mehr Geltung zu verschaffen sucht, werden wir auch von diesem naturgemäß stark beeinflußt. Ich kann den Zwiespalt in unseren Reihen zwischen den Revisionisten und den anderen Richtungen mir nicht ausschließlich erklären aus der zionistischen Situation, sondern führe ihn auch zum Teil auf die Einflüsse der Umwelt zurück, denen unsere Menschen nicht ausweichen können. In dem trüben Bild der allgemeinen Welt und insbesondere Deutschlands auch in der Wirtschaft, ist Palästina ein Lichtblick, weil es zu unserem freudigsten Erstaunen trotz der internationalen Wirtschaftskrise und der Beeinträchtigung unserer Fonds wirtschaftlich kein so ungünstiges Bild zeigt, wie die meisten anderen Länder. Zu den erfreulichsten Ereignissen in Palästina gehört vielleicht die kürzlich stattgefundene Feier der Jehisalemer Universität anläßlich der ersten Graduierung. Ich gebe sicherlich der Stimmung aller Anwesenden Ausdruck, wenn ich sage: Wir, die wir als ein akademischer Kreis die Bedeutung des geistigen Brotes für unser Leben und das Leben unseres Volkes kennen, beglückwünschen unsere Universität in Jerusalem. (Beifall) Da wir in Palästina mit unserer nationalen Hoffnung nicht irgendeinen Kleinstaat bilden wollen, wie auch anderswo Kleinstaaten entstanden sind, sondern glauben, daß der in Palästina verwirklichte Gerieinschaftsgedanke der Welt noch etwas wird zu geben haben, wird auch unsere Universität große Aufgaben haben. Traurig hat es uns gestimmt, daß Demonstrationen, die dort stattfanden, eine so fatale Aehnlichkeit haben mit den Dingen, die wir an europäischen Universitäten leider so oft zu sehen Gelegen- 70