Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kartelitagsberidit. (Vorbemerkung: Das nachstehende Protokoll enthält die Generaldebatte des ersten und den Schluß des zweiten Tages, d. h. alle die Auseinandersetzungen des Karteiltages, die sich au£ innere Fragen des Kartells beziehen. In der nächstem Nummer des J.St. wird gesondert die Debatte über „Zionismus und Kommunismus", die am zweiten Tage des Kartelltages geführt wurde, zum Abdruck gelangen« In Verbindung mit der Krojanker- Broschüre, dem Krojanker-Artikel im Jubiläums-Heft der Hasmonaea dürfte dieses im nächsten J.St. veröffentlichte Protokoll ein ziemlich erschöpfendes Material über das Problem „Zionismus — Kommunismus" abgeben.) 1. Der Präside des Kartells, Bbr. Egon Rosenberg, eröffnete den Kartelltag. Er gedachte in seiner Eröffnungsrede der im letzten Jahr verstorbenen Bundesbrüder Heinrich Agulnik Bruno Perl Albert Wunderlich Erich Buchholz Bertram Fischer. Nach Erledigung der Formalitäten, Wahl der Kommissionen usw., ergriff Bbr. Rosenberg das Wort zu seinem Rechenschaftsbericht. Rosenberg: Liebe Bbr.l Dieser Kartelltag tritt in einer Zeit zusammen, wie sie jedenfalls im letzten Jahrhundert nicht gefunden worden ist. Es ist eine Zeit ungeheurer Spannung in der ganzen Welt. Die Erbärmlichkeiten des Krieges schienen die Menschen aufgelockert zu haben, in ihnen die Bereitschaft und den Willen erweckt, für eine neue bessere Menschheit arbeiten zu wollen auf der Basis eines allgemeinen Friedens, der wirklich die Menschen mit einander verbindet und den Nationen die Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die sie brauchen. Von all diesen Dingen ist verflucht wenig übrig geblieben. Und wie es immer so ist nach dem Prinzip der Reaktion, ist heute die Stimmung Europas viel feindlicher, nationalistischer, verrannter, als vor dem Beginn des Weltkrieges. Zwei antithetische Weltanschauungen stehen heute einander mit aller Schärfe gegenüber: auf der einen Seite ein überhitzter Nationalismus, auf der anderen die Idee der Weltrevolution, hinter der nicht nur eine Theorie, sondern Rußland mit seiner Realität steht. Wir sehen, wie die ganze Politik der europäischen Staatsmänner nur ein Lavieren zwischen den beiden großen Gefahren Nationalismus und Kommunismus bedeutet. In Deutschland hat diese Situation eine ganz besondere Reaktion hervorgerufen. Deutschland hat durch den Krieg und seinen Ausgang eine schwere Verletzung seines Selbstgefühls erlitten, und es reagiert auf dieses gekränkte Selbstgefühl in einer Weise, die dem Mut der Deutschen, dessen sie sich so gerne rühmen, wirklich keine Ehre macht. Es geht den Weg des geringsten Widerstandes, der es auf ein Objekt weist, über das es seine Herrschaft fast ohne Widerstand ausüben kann, auf die Juden. Das deutsche Volk ist für den 69