Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Anträge. Die Aufbringung des Etats von ca. 10 000 RM. machte bei den schlechten Finanzverhältnissen der Berliner Gemeinde natürlich große Schwierigkeiten. Unter andern wurde von der jüd. Studentenschaft ein Konzert veranstaltet, das einen Ueberschuß von ca. 1500 RM. erbrachte. Dadurch, daß wir uns an den Arbeiten der Studentenhilfe rege beteiligten, ist es uns gelungen, einigen Einfluß in der Bewilligungs-Kommission zu gewinnen, sodaß eine Anzahl von Bbr. (20) Stipendien in Höhe von 1250 RM. im Wintersemester 1931/32 erhalten konnte, ein in dieser Zeit gewiß ansehnlicher Betrag. (Das Präsidium selbst hat zu dem Etat nur 100 RM. gegeben). — Wenn unsere Hauptaufgabe selbstverständlich immer nur Stärkung unserer zionist. Positionen sein darf, so dürfen wir uns doch nicht von Dingen ausschließen, die -zu großem Teil unsern Bbr. zu gute kommen und dadurch indirekt auch den Palästinaaufbau fordern. Das K. J. V. in der zionistisc&en ÖfFentlidifceit. Von Hans Abelsohn. Das K.J.V. hat eine für den deutschen Zionismus recht belangreiche Aufgabe, die man ganz in den Vordergrund stellen muß, Gewiß hat die „rote Assimilation" der Revolutionsjahre die Attraktivität des K.J.V. bedeutend herabgesetzt, besonders für die nichtzionistischen Keilfüxe der Provinz. Es war ein Fehler, alle Formen auf ein Mal wegzuwerfen, ohne etwas Geeignetes dafür zu haben. Man hat den jungen Bundesbrüdern dadurch ein Gefühl der Haltlosigkeit und Unsicherheit gegeben. Aber seit dem ersten Präsidium Lichtheim-Tuchler ist ein sichtbarer Wiederaufstieg zu bemerken, auch Keflerfolge zu konstatieren. Eine besondere Bedeutung hat aber das K.J.V. in Deutschland durch die unheilvolle Spaltung Z.V.f.D. — Revisionisten bekommen. Wenn das K.J.V. nicht da wäre, müßte man jetzt eine derartige Organisation ins Leben rufen. Hier ist noch die Möglichkeit einer von Demagogie freien Aussprache gegeben, hier sind auch noch gemeinsame Wirkungsmöglichkeiten. Das K.J.V. kann und muß heute m. E. einen wesentlichen Teil der Propaganda in Deutschland übernehmen — einer Propaganda, die nie so nötig war wie jetzt, und auch nie so. erfolgverheißend! Denn die Herzen aller sind offen, die Unsicherheit der jüdischen Lage läßt auch meist Vorurteilsbefangene sich mit zionistischen Dingen befassen. Das K.J.V. als angesehene akademische Organisation kann diesen Anforderungen genügen, kann oft auch ein Publikum versammeln, das sonst nicht zu zionistischen Versammlungen geht, kann diese Menschen zum Nachdenken bringen. Das K.J.V. ist heute unsere beste zionistische Tribüne, für innerzionistische Auseinandersetzungen und für die Wirkung nach außen. Beides ist heute ungeheuer wichtig — Entgiftung der inneren Situation durch Aussprache, Gewinnung neuer Menschen für unsere Idee, und zwar nicht gleich für eine bestimmte politische Richtung des Zionismus. Dieses Kapitel K.J.V.-Arbeit muß vom Präsidium den K.J.V.-Bezirksverbänden als dringlichste Aufgabe — neben der Schaffung und Erhaltung bundesbrüderlichen Lebens — ans Herz gelegt werden. 54