Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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afrikanischen Juden vorhanden, auf dieser Linie bewegt sich auch das noch undurchsichtige Projekt von Brody. Diese Gesellschaften sind ängstlich darum bemüht, ihren Aktionären eine auch nur bescheidene Verzinsung herauszuarbeiten, weil sie wissen, daß die Dividendenzahlung an ihre Geldgeber ihnen ungeheure neue Mittel zuführen kann, während sie hier in Palästina in ihrer kombinierten Politik des allgemeinen Aufbauinteresses bei gleichzeitiger strengster Wahrung des Prinzips der Wirtschaftlichkeit einen so segensvollen Einfluß ausüben. Daneben bleibt die Notwendigkeit der Fonds bestehen, aber ihre Funktion wird sich auf die Aufgaben beschränken, die der Jischuv nicht übernehmen kann oder für die werbendes Kapital weder über den einzelnen Kapitalisten noch über die gemeinnützigen Gesellschaften herangezogen werben kann. Schwankungen in den Einnahmen werden dann nicht mehr den schädlichen Einfluß auf das Kolonisationswerk ausüben können, wie heute — und davon werden zum Schluß die Fonds selbst profitieren. Kann man aber aus der schlechten Lage der Fonds darauf schließen, daß der Wanderungswille der J u d e n in der Galuth nachgelassen hat, sind die Kurven der Fonds ein Barometer für den Stand des Zionismus? Meiner Meinung nach waren die Fonds kein Maßstab für die Intensität des zionistischen Wollens der Juden in den Tagen der guten Wirtschaft, und sie sind es noch weniger heute, in einer Zeit des schwersten Vermögensverfalles. Tatsächlich ist heute das Interesse für die praktischen Ziele des Zionismus größer als es jemals war, niemals herrschte eine so weitgreifende und einsatzbereite Aufbruchstimmung unter den Juden als gerade in den letzten Jahren. Daß diese Lage durch Wirtschaftskatastrophen und den Zusammenbruch letzter liberaler Hoffnungen verursacht ist, dürfte doch wohl kein Grund sein, diese Kräfte zu deklassieren und ihnen, gegenüber unseren „Abgestempelten", geringeren Wert beizumessen. Daß auf diesen Zionismus die Parole: „Gebt für die Fonds — oder wir stehen vor Liquidation und Stagnation" keine Antwort ist, bedarf um so weniger .einer Begründung, als auch das vorsichtigste Institut für Konjunkturforschung in der palästinensisch-jüdischen Wirtschaft keine Anzeichen für Stagnation und Liquidation finden würde. •* - Freunde, die in letzter Zeit aus Amerika gekommen sind, meinen, daß ganze Straßenzüge der jüdischen Viertel heute nach Palästina aufbrechen würden, daß große Teile der Juden bereit wären, einen Teil ihres Vermögens hierher zu disponieren (in bescheidenem Maße geschieht es übrigens bereits jetzt). Und wem diese generellen Stimmungen nichts bedeuten, den müssen die vielen Anfragen und Briefe belehren, die jeder Palästinenser .heute aus dem Auslände erhält, von Leuten mit kleineren und größeren Kapitalien, von Fachleuten, Rentnern, Pensionären usw. Wieviel Touristen kommen jedes Jahr in das Land, um die Uebersiedlungsmöglichkeiten für sich zu studieren, und ein Teil von ihnen bleibt auch im Lande. Hunderte von Juden besuchen in jedem Jahr Palästina, um Geschäftsverbindungen zwischen der palästinensischen Produktion und den Ländern ihres Wohnsitzes herzustellen, tätigen hier und nicht anderswo ihre Einkäufe, erschließen für unsere Wirtschaft neue Märkte, schaffen Wirtschaftsbeziehungen, die für unsere Aufbauarbeit hier oft von unschätzbarem Wert sind. Ist das alles kein Zionismus, ist das kein Koloni- 28