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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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schalt in Palästina immer wieder auf das größte Mißtrauen stößt, wenn er zugunsten der Wirtschaft irgendwelche Daten anführt. Begründung für dieses Verhalten: daß die offizielle Presse und die in Notlage befindlichen Fonds das Galuth mit Schreckensnachrichten über die katastrophale Lage in Palästina überschütten. „Rettet Palästina, gebt für die Fonds" — das wäre die Parole, und mit Recht meint Berger, daß dieses Notgeschrei am wenigsten den Fonds selbst helfen wird und es sinnvoller wäre, neben der von den Fonds subventionierten Wirtschaft auch jenen Teil der Arbeit zu zeigen, der subventionsfrei geschaffen oder aus der Subvention bereits herausgewachsen ist. Es ist daher kein Beweis für die gute oder schlechte Lage der hiesigen Wirtschaft, ob die Beamten und Lehrer ihre Gehälter pünktlich oder gar nicht bekommen, ob die begonnenen Siedlungen zu Ende geführt werden können oder nicht. Auf das schwere Problem der öffentlichen Finanzen werde ich nachher noch zurückkommen. Wenn man aber von der Wirtschaft spricht, so kann es sich nur um Produktion und Absatz, um Lohn und Kapitalfragen handeln. Auch hier kann man aber im Rahmen eines Briefes nur Stichproben geben, sämtlich Stichproben aus der Zeit nach den Unruhen. Orangenwirtschaft: Die schnelle Entwicklung auf diesem Gebiete der hiesigen Produktion ist bekannt; in diesem Jahre wird bereits mit einer Ernte von drei Millionen Kisten gerechnet. Der größere Teil der neuen Pflanzungen, vielfach erst nach den Unruhen begonnen, ist in jüdischem Besitz. Jüdische Verkaufs Organisationen kontrollieren in wachsendem Maße auch den Handel, der früher fast ausschließlich in arabischen Händen lag. Produktionskosten verbilligen sich, Fracht und Verpackungsspesen zeigen sinkende Tendenz, der Standard der Frucht wird von Jahr zu Jahr gehoben. Industrie: Nach der mehrere Monate anhaltenden Boykottbewegung Von seiten der Araber, die zunächst zu einer viel intensiveren Erschließung des inneren jüdischen Marktes führte, hat jetzt die gesamte Industrie, nachdem der Boykott de facto beseitigt ist, eine allgemeine Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. Es sind nicht die Merkmale einer schnellen, konjunkturmäßigen Entwicklung, sondern es geht eine Fundierung und Ausdehnung wichtiger Betriebe vor sich, wie man sie vor den Unruhen in der Industrie nicht kannte. Auch die Exportindustrie konnte, besonders im Nachbar verkehr mit Syrien und Aegypten, größere Erfolge erzielen. Gemessen an den Maßstäben der großen Exportländer mögen unsere Markterfolge gering erscheinen, gemessen aber an der Basis unserer hiesigen Industrie und unter Einrechnung der immensen Schwierigkeiten auf den Exportmärkten in Zeiten des Dumpings und der Prohibitivzölle sind es ansehnliche Fortschritte. Es gibt heute in der Stadt keine bemerkbare Arbeitslosigkeit, die Arbeitslöhne liegen nicht über den durchschnittlichen europäischen Arbeitslöhnen, sie liegen im Vergleich zu vielen europäischen Ländern beträchtlich darunter. Der Arbeiterstamm selbst ist stabiler, fachkundiger, auf manchen Gebieten (z. B. Bauarbeiten, Buchdruck) auf gleicher Höhe mit den qualifiziertesten Fachkräften Europas. Wenn auch nicht direkt in diesem Zusammenhang gehörig, möchte ich die gesunde Entwicklung der „Tnuvah", der Absatzorganisation der Arbeitersied- 24

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