Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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In einer Sitzung, die im Industrieverband stattfand, gebrauchte derselbe Direktor für Zoll und Handel folgende Worte, die ich wegen ihrer Wichtigkeit während des Vortrages sofort wörtlich festgehalten habe. „Sie wissen, mit welcher Sympathie ich mich stets zur Industrie bezogen habe, auch wenn ich nicht immer alle Ihre Wünsche erfüllen konnte. Aber ich sage Ihnen, daß nach meiner festen Ueberzeugung in diesem Lande vor allem Möglichkeiten für die Entwicklung einer Industrie sind, größere Möglichkeiten, als sie selbst vielleicht wissen. Ich werde deshalb für jede Forderung der Industrie vorhanden sein/' Ich kenne Protokolle früherer Sitzungen des Industrieverbandes mit demselben Direktor; so warme, positive und einwanderungsfreundliche Worte habe ich in den Protokollen nicht gefunden. Wo ist hier eine Position verloren? Die Frage ist nur: Wer stellt Forderungen an die Regierung, wer kommt mit neuen Wirtschaftswerken hierher? Die politischen Probleme konzentrierten sich vor allem um die Forderungen eines Parlamentes in Palästina von Seiten der Araber und eines ausreichenden Schutzes für die Kolonisation, einer starken Administration von Seiten der Juden. Mir ist nicht bekannt, daß in bezug auf die Schaffung eines Parlamentes in Palästina in der Praxis etwas vorgenommen ist. Dagegen ist die Polizei in einer vollkommenen Umorganisierung begriffen, der neue Chef der Polizei hat die volle Anerkennung der Juden; und wenn auch die Umformung der Polizei — wie der Leiter anläßlich der Aufdeckung des Mordes Zohar-Stahl äußerte — fünf Jahre in Anspruch nehmen wird, so geht doch eine vollkommene Neu-Orientierung in der Polizei vor sich. Eine Tatsache, an der die Juden das größte Interesse haben, eine Forderung, die seit Jahren von den Juden aufgestellt wird. Außerdem befinden sich beträchtliche Militärkräfte im Lande, die auf den Staatsetat nicht wenig drücken — ist doch die Position für Militär und Polizei die größte in der Ausgabenseite. Die Araber wissen sehr gut, daß diese Schutzorganisation für das jüdische Kolonisationswerk da ist, und einer ihrer stärksten, aber bisher erfolglosen, Angriffe richtet sich gegen diese Ausgaben der Regierung. Auch hier ist eine Forderung der Juden erfüllt worden, um die wir bereits vor den Unruhen gekämpft haben. Ich habe auch hierbei nicht den Eindruck, als ob wir eine Position verloren hätten. Wir brauchen für unsere Arbeit ausreichenden Schutz, das ist nichts Neues und nichts Absonderliches, wir haben das immer gewußt. Bleiben die politischen Beziehungen zu den Arabern? In dieser Beziehung hat sich seit den Unruhen weder in guter noch in schlechter Beziehung etwas geändert. Es gibt keine Beziehungen, und krampfhafte Versuche, die gemacht wurden, um politische Beziehungen zu den Arabern herzustellen, haben nur den einen Erfolg gehabt: daß man mit den Arabern Jetzt über Politik überhaupt nicht mehr sprechen kann. Schon allein die Tatsache, daß man sich mit ihnen unterhalten will, läßt sie sich vollkommen feindlich gebärden. Es hat sich in den politischen Beziehungen nichts geändert und es kann sich nichts ändern, denn es gibt keine politischen Beziehungen und es wird so lange keine geben, als beide Völker dieses Land bis zum Optimum für sich ausnutzen wollen. Unsere politische Stellung zu den Arabern ist die von Antipoden — und hier ist das einzige Axiom meiner 22