Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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hätten, wenn wir unsere eigenen politischen Fehler und den selbst zugefügten Prestigeverlust hätten wieder gutmachen können. Was hat sich aber de facto als Ergebnis dieser Konimissionsarbeit in bezug auf die Klagemauer und überhaupt die religiösen Angelegenheiten geändert? Gar nichts! Wir haben keine Position verloren — nicht auf Grund des Berichtes und nicht auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse an der Klagemauer. Ich sehe keinen Positionsverlust, eher hätten wir hier ganz gern freiwillig ein Stückchen Position aufgegeben. Die Wirtschaftskommissionen beschäftigten sich hauptsächlich mit den Fragen der landlosen Araber, der Bodenfrage, dem arabischen Kooperativwesen und den Problemen der Einwanderung. Bezüglich der Absiedlung der landlosen Araber wurden bestimmte statistische Vorarbeiten gemacht, die im Zusammenhang mit dem „Landentwicklungsplan" stehen. Auch befindet sich hier ein für diese Fragen ernannter Leiter. Weiter ist in dieser Beziehung nichts geschehen und, wie der neuernannte Leiter selbst zum. Ausdruck brachte, ist in nächster -Zeit kaum damit zu rechnen, daß etwas geschehen wird. Demgegenüber ist bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder zum Ausdruck gebracht worden, daß die Juden in das Ansiedlungswerk mit eingeschlossen sein würden. Gegen dieses Versprechen ist bisher auch nicht das Geringste geschehen. Dagegen ist weiterhin bekannt, daß der für die Landentwicklung ernannte Beamte mit größter Sympathie dem jüdischen Siedlungswerk und den jüdischen Interessen gegenübersteht, während seine Hoffnungen und Erwartungen in bezug auf die Versuche zur Ansiedlung der Araber nicht übertrieben hohe sind. Aber das sind alles Couloirgespräche, tatsächlich ist bisher auch nicht das Geringste geschehen, das man mit .„Positionsverlust" bezeichnen kann. Als ich mir die gesetzlichen Bedingungen für die Bodenfrage überlegte, hatte ich hier zunächst den Glauben, als ob nach den Unruhen eine Bestimmung herausgekommen wäre, nach der Bodenübertragungen der Zustimmung des High Commissioners bedürfen. Dieser Glaube wurde in mir verursacht, weil die gesamte Presse vor allem mit lauten Protesten gegen die Erschwerung des Bodenerwerbs vorgegangen war. Trotzdem konnte ich mich auch auf Nachfrage bei Dritten davon überzeugen, daß kein einziger Bodenübergang an Juden durch erschwerte Nachunruhe-Gesetze verhindert worden ist. Vor Niederschrift dieser Zeilen setzte ich mich aber vorsichtshalber noch " mit einem hiesigen Juristen in Verbindung, der die Bodengesetzgebung kennt. Es war dabei für mich selbst eine Ueberraschung zu hören, daß sich nach den Unruhen in der Gesetzgebung über Boden in Palästina nicht das Geringste geändert hat. Ich selbst war unter dem Trommelfeuer der „Positionsverluste" in der Presse zu dem Eindruck gekommen, daß wir hier eine rechtliche Position verloren hätten. Nun mag die Schaffung solcher Stimmung in ihrem Wert selbst für die jüdische Oeffentlichkeit bezweifelt werden, in einem Organ wie~dem J.St., der ein Informations- und Aussprache-Organ ist, sind sie ganz bestimmt deplaziert. Man kann also auch nach den Unruhen de jure und de facto Boden erwerben, nur eines fehlt — der jüdische Käufer. Zwecks Schaffung einer arabischen Kooperativorganisation besuchte uns ein englischer Experte, der seine Ansichten in einem 20