Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeit niemals gefördert, aber vielfach gehärmt, haben der Bewegung niemals einen frischen Impuls gegeben — aber viele Impulse im Keime erstickt. Es wäre töricht, hier von schlechtem Wilen oder gar von Dummheit zu sprechen, die Ursachen für diese Handlungsweise liegen ganz wo anders, nämlich in der unbezähmbaren L usstl unserer Freunde, „Ueber die Dinge" zu schreiben und zu denken, statt die Dinge selbst zu sehen und anz?upacken. So entstehen jene feinen, unerschütterlichen Konzeptionen, ,iiber die zionistische Lage"", „über unsere zionistischen Aufgaben", „über die englische Politik", die alle ein Moment gemeinsam haben: sie passen nicht aaif die Wirklichkeit, sie sind nicht auf Maß gearbeitet, so schlüssig sie in ssch sein mögen. Wie kann aber eine Bewegung, die Menschen "organisieren, ein Land kolonisieren, eine Gesellschaft schaffen soll, wie kann eine solch« Bewegung noch auf echte Lebenszeichen rechnen, wenn sie ihre Menschen mit den ewigen Abhandlungen „über" die Dinge füttert! Ihr kennt die sehr nette Geschichte, wie sich ein Engländer, ein Franzose und ein Deutscher verschieden verhalten würden, wenn sie alle drei vor die gleiche Aufgabe gestellt würden: über das Lehm des Löwen zu schreiben. Der Engländer würde sich auf das Schiff setzen, sich mit Flinte und Photo nach Nubien begeben, ein Jahr das Leben der lawen genau beobachten und dann.seine Erlebnisse niederschreiben. Der Franaose würde in den Zoo gehen und eine geistreiche Novelle über den Löwen verfassen; der Deutsche aber würde die gesamte Literatur über den Löwen i&rchwälzen, Quellenforschung betreiben, um am Ende ein zehnbändiges Werk über den Löwen herauszubringen. Es darf mir niemand übelnehmen — ahar die „Maccabaea"-Nummer ist die Abhandlung über den Löwen in zehn Beträgen. Als ich in den „Zionistischen Gedanken" vm Loewenstein gelesen hatte, daß wir unsere Positionen zu verteidigen Üben, da fand ich es ganz in der Ordnung; denn nur seinen Sonntagskindern unHDichtern gibt es ein Gott im Schlafe. Positionen wird man verteidigen müssm, solange man welche hat. Wenn er aber weiter berichtet, daß wir Positionen verloren haben, daß wir „auf Jahre hinaus unter politischen Verhältnissaai werden arbeiten müssen, wie wir sie in der zionistischen Geschichte niemdss gehabt haben", daß unsere Arbeit sich in Stagnation, ja "teilweise Gogar in [Liquidation befindet, da habe ich mich ernsthaft gefragt, aus welcher verteufelten Wirklichkeit Loewenstein diese Situation herausgelesen hat. Welche Poationen haben wir seit den Unruhen verloren? Welche? In welcher Bezfehung ist unsere politische Situation schlechter, als sie jemals in der Geschonte des Zionismus gewesen ist? Was ist geschehen? In den letzten zwei Jahren ist unser LanH von einer Fülle von Kommissionen besucht worden, die s,ich mit religiösen, wirtschaftlichen und politischen Fragen beschäftigten. Die Klagemauer-Kommission hat ins in ihren Schlußfolgerungen nicht einmal einen Prestigeverlust gebracht. Es ist darin mehr oder weniger das kodifiziert worden, was wir selbst wollten, und ich glaube, daß weite Kreise der Zionisten gern auf manche Rechte dieses Dokumentes verzichtet 19