Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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PALÄSTINA Geräyinfe Positionen Von Heinz N a g 1 e r. Tel-Awiv, den 17. Dezember 193L Vor einigen Tagen erhielt ich. die ,,Maccabaea"-Nummer des J.St. Deine Bemerkungen bei dieser Gelegenheit, lieber Erich Cohn, die Du statt eines Beitrages zur Verfügung stellst, veranlassen die folgenden Zeilen. Sie sind für den J.St bestimmt, falls die auf dem Deckblatt garantierte Internität des J.St. noch besteht. Es handelt sich um die „Kleinigkeiten" des Alltags, über die ich hier berichten möchte, die ich jedem Bundesbruder ebenso direkt hätte mitteilen können. Mit Recht konstatierst Du, daß manche vielvei sprechende Figur in unserem Lager sich im Laufe der Zeit als „Blindgänger" erwiesen hat, und daß umgekehrt Gestalten, denen wir die primitivsten zionistischen Qualitäten absprachen, sich als Männer der Leistung und der Treue zur Sache gezeigt haben. Was für das K.J.V. gilt, galt ebenso für den ,,Blau-Weiß". Ich kann mich nicht ohne Scham eines Freundes X entsinnen, der vor etwa acht Jahren plötzlich von irgendwoher — aus der Branche der Damenstrümpfe — bei uns auftauchte. Seine strammgeklebte Tolle und die festgebügelten Hosen machten ihn sofort zum Spottvogel der „Aufrech+en", und nur mit Mühe gelang es mir damals, ihn dem Zuge zu erhalten, rfeute verkaufen jene „Aufrechten" auf Ratenzahlung prima Anzüge von der Stange, schreiben sich hinter Büroschaltern Finger und Rücken krumm, während Freund X sich mit bescheidenen Mitteln und gegen tausend Widerstände eine kleine Bauern- und Orangenwirtschaft im Schomron geschaffen hat. Wenn wir ehrlich sind, so kann man solche Erscheinungen nicht als ein Spezifikum des deutschen Zionismus be-. zeichnen, sondern sie machen sich wahrscheinlich überall dort bemerkbar, wo sich Menschen um Tendenzaufgaben, um Gesinnungspostulate gruppieren. Sie sind bedauerlich, oft schmerzlich, aber niemals tragisch. Wirklich tragisch werden solche Wandlungen erst dann, wenn sich nicht einzelne Menschen, sondern mit Feuereifer vertretene „Anschauungen" als leeres Stroh erwiesen haben. Auf diesem Gebiet scheint uns bisher jeder Maßstab der Kritik zu fehlen, und wir sind daher auch in diesen Fehlleistungen Meister. I. Was für „wesentliche". Ansichten und Ueberzeugungen sind im Laufe der letzten Jahre nicht schon herausgestellt worden, die Kongresse, Konferenzen, Zeitschriften und Bücher füllten und die sich nach kurzer Lebensdauer als fauler Zauber enthüllten — unfähig, die Wirklichkeit zu befruchten, ungeeignet, die zionistische Arbeit auch nur einen Schritt vorwärts zu treiben. Ob es sich um die Kämpfe der Maximalisten und Minimalisten, die Kämpfer für die Majorität oder Minorität in Palästina, die Freunde der arabischen Verständigung oder ihre Gegner, um die Weizmannianer oder Antiweizmannianer handelte, sie alle sind spurlos an dem bescheidenen Alltag des zionistischen Arbeitens vorübergeplätschert, haben die 18