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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Ali Wunderlich Vorbemerkung: Die fahnden Zeilen sind eine ungefähre Wiedergabe der Worte, jäie Bbr. Elias Auerbach anläßlich der Trauerfeier der Hasnonaea für Bbr. Wunderlich gesprochen hat. Liebe Bundesbrüder, der Tod von Ali Wunderlich hat mich im tiefsten getroffen, da er und sein Leben in Palästina ein Stück meines eigenen Lebens gewesen sind. Mir ist es, als ob ich einen Bruier verloren hätte. Ich will nur über den Wunderlich sprechen, den ich in Palästina kennengelernt habe. Ich erhielt — lange Monate bevor er kam — seinen ersten Brief, in dem er die Absicht der UebersieHlung ankünfigte. Solcher Briefe habe ich viele bekommen, hier aber sah ich sofort: der Mam wird kommen. Denn hinter jedem Wort des Briefes stand ein Wüle, der sich durch nichts abschrecken ließ. Er war ein Feind aller großen Worte; er Haßte die großen Worte. Ünd darum hat er es nicht leicht gehabt, sich unter den vielen durchzusetzen, die das Wort über die Tat, die Form über die Sache, das Programm über die Leistung, stellten. Für ihn galt nur: Tat, Sache,, Leistung. Er hat später noch oft davon gesprochen, daß man in Palästina, über alle Parteien hinweg, eine „Vereinigung der ernsten Menschen" gründen müsse. Das war er, ein ernster Mensch, der kein Wort unnötig und leichtfertig sprach, er sprach überhaupt wenig und in Sitzungen konnte er stundenlang schweigen. Wenn er sprach, so sprach er extrem und scharf, aus daar leidenschaftlichen Ungeduld einer heißen Seele heraus. Nachdem er fast drei Jahre in Haifa g€BBnbeitet hatte, erhielt er den Ruf als leitender Chirurg an die Hadassa nadh Jerusalem. Er hat schwere Bedenken gehabt, dem Ruf zu folgen, da er wufit^ daß sein rauher Drang nach Selbständigkeit hier zu Konflikten führen mußte Ich habe ihm geraten, um der Arbeit willen seine Bedenken zurückzustellaal, und e r tat es, wie immer, der Sache wegen. Er hat sich in Jerusalem an weithin sichtbarer Stelle durchgesetzt. Seine unbeirrbare Sachlichkeit, seine unendliche Fürsinge für die ihm anvertrauten Kranken, sein großes Können und sein unangreifbarer Charakter, haben ihn zum Sieger über alle Angriffe gemacht. Nach weiteren drei Jahren — nunmehr als einer der bekanntesten Männer Palästinas —beschloß er wieder, in völliger Freiheit zu arbeiten und ging nach Haifa zurück, iks er immer geliebt hat. Er stand vor neuem Aufstieg und in diesen Augenblick fällte ihn die tückische Krankheit. Wunderlich ist nur 44 Jahre alt geworden. Und doch: es ist trotz des frühen Todes ein vollendetes Leben. Ob der IBensch früh dahinsinkt, ob er 100 Jahre erreicht; das Höchste, was er erreichen kann, ist die gerade und große Linie des Lebens, der Weg zum Ziel unter eigenem Gesetz. Das war Wunderlichs Leben: eine gerade unf große Linie. Für ihn war Zionismus schlechthin alles: das Menschliche, eks Berufliche, das Volkliche. Für ihn gab es kein Kompromiß, keine Halbhaat. Und so ist sein Leben in seiner großartigen Einheit das höchste mensxhliche Kunstwerk gewesen. Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem. 17

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