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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Während ich mich bisher mit Fragen, die die allgemeine Erziehung im Kartell betreffen, beschäftigt habe, gibt mir die Nachricht von dem Verscheiden des Sport-V.J.St. den unwillkommenen Anlaß, auch diesen besonderen Fragenkreis zu streifen. Es würde zu weit führen, all das noch einmal aufzuzählen, was vor mehr als zehn Jahren zur Gründung des Sport-V.J.St. Veranlassung gab. Vieles wurde damals erstrebt, manches in manchem Semester erreicht. Der zeitweilige, wenn auch sehr bescheidene Sport im Kartell mit Sportfesten und Treffahrten zeugte von dem Geist des Kreises beider Sportverbindungen, der Kampfgedanke und seine Durchkämpfung wie Durchführung ist ebenfalls dem gleichen Kreise zu verdanken, aber es. ist nicht meine Absicht noch Aufgabe, die Einzelheiten des Gewollten und des Bewältigten aufzuzeigen. Wichtiger ist, was jetzt zu tun bleibt oder — Verzeihung, falls noch strittig — daß etwas in dieser Richtung zu geschehen hat. Abgesehen von den für uns wertvollen Kräften der sportlichen Jugend, die sich von der unjugendlichen Haltung des Kartells abgestoßen fühlen und häufig auch trotz zionistischer Einsichten draußen bleiben, brauchen wir für das Kartell eine Pflegestätte sportlicher Traditionen, eine Gruppe jüngerer aktiver Bundesbrüder, die auf Grund eigener Erkenntnisse, Erfahrungen und Betätigung, sportlichen Geist im Kartell zu fördern versucht. Der Aufgabenkreis des Ruder-V.J.St. wird davon nicht im mindesten gestört, wie ja das kurzfristige Leben des Sport-V.J.St. bewiesen hat, eher befruchtet, worin mich besonders das diesbezügliche Versagen der letzten Ruder-V.J.St.-Generation bestärkt. Aus dem langen Siechtum des Sport-V.J.St. und dem geglückten unglücklichen Abschluß dieser Periode sollten wir gelernt haben, daß eine reine Sportverbindung, selbst in Berlin bei der Fülle des Materials, nicht zu halten ist. Mein Vorschlag geht dahin, daß nach Vorbild der Ruderriege der V.J.St.en, dem Ursprung des heutigen Ruder-V.J.St., eine Sportriege aller Berliner Verbindungen geschaffen wird, in der die sportlich interessierten und fähigen Bundesbrüder zusammengefaßt werden. Die beteiligten Verbindungen leiden keinen Schaden dabei, da die in Betracht kommenden Bundesbrüder in ihnen verbleiben und an den geistigen und geselligen Veranstaltungen wie bisher teilnehmen. Der Sportbetrieb könnte einmal in der Woche so gelegt werden, daß alle daran teilhaben und die ,,Sportriege" eben nur als Riege mit besonderen Anforderungen das Rückgrat abgibt, und der bisher wenig besetzte Sonntag müßte selbstverständlich für reines Sporttraining oder für Wanderungen mit Sportbeilage freistehen. Sollten selbst kleine Störungen vorkommen, so müßte der Gedanke, daß es zum Nutzen der Gesamtheit geschieht, die meist nur unnötig aufgebauschten Hindernisse sporttechnisch einwandfrei nehmen lassen. Von einer~sich mehr als „merkwürdig" ungeziemend benehmenden Jugend gingen wir aus; „merkwürdigerweise" gerieten wir ins Chaluzische, und die , größte „Sportmerkwürdigkeit" bleibt mein Glauben, daß die Sportriege im Kartell eine Zukunft hat und daß die Erziehungswerte des ,,to be a good loser" und des „fair play" unserem gesamten Leben eines Tages zugute kommen werden. 16

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