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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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erlitten hat, darf man nicht übersehen, daß wir gegenüber anderen Bünden, trotz gleicher zionistischer Lage unverhältnismäfig ins Hintertreffen gekommen sind. Mir liegt es fern, für die in breitem Gahmen sehr fragwürdige Erziehung zum Chaluz einzutreten, aber die ganze Beurteilung dieses Fragenkomplexes, die Schätzung chaluzischer Art und Betätigung scheint mir durch die natur- und körperfremde Erziehung von vornherein falsch beeinflußt zu werden. Den Zweckmäßigkeitsstandpunkt, daß sportlich-körperliche Betätigung den einen oder anderen beim Umschichtun^diiemma grundlegend beeinflussen könnte, wo das Negativum die kleinsten Ansätze verkümmere läßt, will ich nur erwähnen, ohne ihn weiter auszuführen. Es wäre verfehlt, zu schließen", daß ich eifcva Sport als Vorstufe oder Propädeutik zur Chaluziuth ansehe, aber unssie oben als Ghettorudiment gekennzeichnete seelische und praktische Haltuc^ in Fragen körperlicher Erziehung führt unweigerlich von Chaluziuth weg. Man darf gerade bei West- Juden auch anscheinend unbedeutende Seiten etiler seelischen Haltung nicht gering schätzen. Denn während der Westjude, uiäeder in Anpassung an seine Wirtsvölker, auf Grund intellektueller VorsteBmgeh Energien zu entfalten vermag* versagt er allzuhäufig an seiner komplizierten psychischen Maschinerie. Es ist ihm nicht so wie dem Ostjuden gegeben, won einer überwertigen Idee aus, alle Hemmungen zu überwinden und von dar Welle der eigenen Leidenschaft sich über die Klippen und Fährnisse der vielseitigen inneren Gebundenheit hinübertragen zu lassen. Man soll ni^ht verarteilen, sondern zu erkennen versuchen, um unsere Erziehung daraus Nutzen ziehen zu lassen. Wir vermissen häufig in unserem Kreis den inneren Jßlrenn", die leidenschaftliche Anteilnahme an den Dingen unseres Interesses. Wrtd gerade die jüngeren, von denen man es am ehesten erwarten sollte, smü es nicht selten, die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen einiger A3LA.H. verständnislos, wenn nicht sogar peinlichst berührt von soviel Aufwand gegenüberstehen. Ich weiß sehr wohl, wie schwer es der Zwanzigjährige hat, immer die notwendige Würde der erreichten Männlichkeit zu bewahren und <ße Reife seines Alters hinreichend in Contenance und Auftreten zu betoncav, und ich bekomme Achtung vor der schier übermenschlichen Anstrengung, mit der man seine Leidenschaft bezähmt und das Bild des bereits gesetzten AeÜeren abgibt. Nur schade, wenn die Zähmung soweit gelingt, daß von der ungemein notwendigen, sachlichen Leidenschaft im Kartell bei den Jünger*® aus Gründen der Haltung, bei den Aelteren aus denen der erprobten Uehang nichts zu bemerken ist. Wo sind wir gelandet und was hat das alles noch mit Sport und seinen „Merkwürdigkeiten" zu tun? Selbstverständlich ist nicht ohne weiteres anzuzweifeln, daß Sport und Leidenschaft einige Beasehungen aufzuweisen haben, aber Leidenschaft für dies und Leidenschaft für das darf man doch nicht in einen Topf werfen. Richtig, richtig, aber ich sjueche ja noch von keiner Leidenschaft für dies und keiner Leidenschait für das, und im Negativen stellt es sich als das gleiche Leiden heraus. Jugendliche Frische, Sportsgeist, leidenschaftliche Hingabe für ein Ziel, chaluzisdte Gesinnung haben mehr als ein gemeinsames Vergleichsmoment. * 15

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