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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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durchschlagenden Beweise auf die zu überzeugenden anderen, während man selbst vor den Konsequenzen seiner Weisheit verschont bleibt. Inwieweit das den Forderungen nach subjektiver Ehrlichkeit entspricht, mag jeder mit sich selbst ausmachen. Ich übersehe durchaus nicht diejenigen, die sich allenthalben in der Makkabibewegung betätigen, obgleich auch dort die Bundesbrüder mir mehr organisatorisch als sportlich aktiv zu sein scheinen, aber ich sehe auch die große Mehrzahl, die kein Sonntag und keine freie Zeit herauszureißen vermag, Die alte Golushaltung wirkt sich noch aus, wenn es sich auch die wenigsten einzugestehen wagen. Die körperliche Minderwertigkeit unseres Volkes ist als Märchen entlarvt, wirtschaftliche und nationale Erfordernisse stellen das natürliche Gleichgewicht zwischen geistigen und körperlichen Berufen und ihrer Bewertung wieder her, und nur unser Kartell zeigt eine erstaunliche Anhänglichkeit an überholte Ghettoänschauungen. Um so auffälliger, als wir uns dabei nicht vorwärts, sondern gegenteilig zu entwickeln "scheinen. Ich bin alles andere als ein Lobredner des Vergangenen, und tatsächlich kenne ich nur einige Generationen im Ruder-V.J.St., anderthalb vielleicht im Sport-V.J.St., die wirklich als vollwertig in punkto Sport zu bezeichnen wären, während der große Rest sternenweit von sportlicher Haltung entfernt ist. Aber man darf nicht verkennen, daß in der unmittelbaren Nachkriegsgeneration die Sonntags- und Ferienfahrten die Verbindungen zum Wandern und Spielen brachten. Bezeichnend übrigens selbst für die angeführte „bessere Zeit" ist die Wertschätzung, deren sich die Sportverbindungen im Kartell erfreuten. Physische Gefühlsqualitäten stehen heute, soweit möglich, noch tiefer im Kurs, und selbst die damals weniger anrüchige Wanderung scheint heute nur noch auf einige verirrte Seelen ihre Anziehungskraft auszuüben. Bedauernswerte Jugend, die so um eine Reihe von natürlichen, reinen Freuden kommt, einzig in ihrer Art, da weder die gleiche soziale Schicht der Bürgerlichen, noch die Kommilitonen, noch die gleichaltrige jüdische Mitjugend, das gleiche Phänomen zeigen. Merkwürdig, merkwürdig. Es bleibt ein Kopfschütteln. * Diese „Sportmerkwürdigkeiten" — empfehlenswert als ständige Rubrik des J.St., wenn auch etwas anderssinnig als die gleichnamigen der Tageszeitungen — haben neben den tragikomischen sehr ernste Seiten aufzuweisen. Schon einige Male habe ich hier in diesem Zusammenhang den Begriff der Chaluziuth berührt, denn es ist unleugbar, daß die starke Ablehnung, die jede sportliche körperliche Tätigkeit in unserem Kartell erfährt, sich auch in unserer Stellung zur Chaluziuth bemerkbar machen muß. Die Parallele der rückläufigen diesbezüglichen Entwicklung in den letzten Jahren zu der beim Sport konstatierten ist äußerst bezeichnend, wenn man selbst dabei berücksichtigt, daß die Chaluzbewegung durch andere Momente überall Einbuße 14

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