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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Gestaltung der wahren Gemeinschaft gilt all) sein Streben."1) Die vollendete Gemeinschaft ist das Ziel des Judentums- Hier liegt die Verwirklichun^s -Aufgabe, die schon Mose zeigte, die die Propheten immer stärker und inhaltvoller vor Augen führten, dm Jesus weiter ausbaute, die während der ganzen jüdischen Geschichte, selbst ik dem „unsäglich kläglichen" Leben der Diaspora wesentlicher Inhalt jüdischen Geisteslebens war. Schaffung eines Gemeinwesens, dessen Grundlage die Gerechtigkeit ist, erscheint als die Aufgabe <iBes jüdischen Volkes, als die ihm ewig aufgegebene Forderung, um deren Verwirklichung es ringt, im Kampf mit sich und den entgegenstehenden Kräften dar Wirklichkeit. Aber diese Aufgabe ist nicht nur eine nationaöe, sie ist auch eine universale, bedeutsam für die ganze Menschheit. Das jüc&ihe Volk soll beispielgebend vorangehen, es soll ein „Licht der Völker'* sein. Denn „von Zionwird die Lehre ausgehen und das Wort Gottes von Jamsalem'*. Das Ziel ist das über die ganze Menschheit ausgedehnte „messianische" Reich, das Reich des Friedens, dessen Grundlage Gerechtigkeit ist. Hier wird nur noch „Gott den Völkern Recht sprechen, und sie werden ihr« Schwerter zu Pflügen umschmieden und ihre Spieße zu Winzermessern**.2}) So birgt der politische Gedanke des Judentums eine Missionsidee in sich, aber nicht die mißverstandene überhebliche Misssn in Worten und Predigten, sondern die schwere Mission durch Beispiel, aEorch Verwirklichung, durch Schaffung einer umfassenden, gerechten jüdischem Gemeinschaft. Aus dieser Geistesrichtung vermag der Zionismus als politische Bewegung eine Fundierung zu erhalten, die im Einklang steht mit der gesamten jüdischen Geschichte und den geistigen Bedürfnissen jüdischen Volkstums. Er wird zur jüdisch-politischen Aufgabe für unsere Generation, die sich damit eingegliedert weiß in den Sinn der jüdischen Geschichte und die Kette vergangener und zukünftiger Geschlechter. Diese politische Idee des Judentums hat ihre üjrait stets aus einer religiösen Grundlegung gezogen. Hierzu bekennt sich gen» und mit innerer Sicherheit auch derjenige Jude und Zionist, der es zwar ablehnt, ein gesetzestreues Leben im Sinne der Tradition als verbindlich anzusehen^ dennoch aber nach einer religiösen Fundierung jüdischen Lebens verlangt. Bm wird die Verwirklichiings- Aufgabe, die sich das jüdische Volk gestellt hat, min zutiefst verständlich: als aufgegeben von einer weltumfassenden, übermensihlichen Kraft — als Forderung Gottes (mag er auch Gott anders verstehen als das traditionelle Judentum). So vermag die geistige Grundlegung des Zioaasmus ihre Basis letztlich im Religiösen zu finden, in demjenigen Moment, das an allen Zeiten entscheidend für die jüdische Geisteshaltung war. Für die nen-jjiidische Kultur in Palästina wird voraussichtlich einmal — es sei erlaubt, es anzudeuten und als Hoffnung auszusprechen — die Schaffung neuer, dem modernen jüdischen Menschen angemessener, religiöser Formen eine Hauptaufgab« sein. *} Hans Kohn (Verlag Meyer & Jessen, Müm&en), Seite 23, 25. *) Jesajaü, 3, 4, und Micha IV, 2, 3. Ii

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