Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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stärker hervortreten lassen. Der Existenz willen des jüdischen Volkes wird als selbstverständlich vorausgesetzt, darüber hinaus aber eine tiefere geistige Fundierung verlangt. Für die gesetzestreue Richtung im Zionismus ist eine solche Grundlegung ohne weiteres gegeben. Die zionistische Aufgabe ergibt sich dort mit Selbstverständlichkeit aus der religiösen Tradition und ganzen Weltanschauung. Anders bei denen, die ihren Zionismus nicht traditionell begründen. Hier war der ursprüngliche Herzische Gedanke einer durch revolutionäre Tat zu erreichenden „Normalisierung" des jüdischen Lebens in Palästina weithin ausreichend als Grundlegung eines rein nationalen, inhaltlich nicht bestimmten Zionismus. Immerhin hat Herzl selbst erkannt, daß diese einfach-national fundierte Forderung als innerste Begründung nicht genüge, er prägte das Wort von der „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland" und hat selbst in seinem „Judenstaat" das neue Gemeinwesen bereits mit gewissen — über das „Normalisierte" hinausgehenden — wesentlichen Attributen, vor allem sozialer Art (Siebenstundentag usw.), ausgestattet. In weiten Kreisen des politischen Zionismus wurde bekanntlich eine tiefere als nur formal-nationale Grundlegung als notwendig empfunden (Achad Haam, Bub er!). Dies gilt heute in ganz besonderem Maße sowohl hinsichtlich der Gewinnung neuer Menschen, als auch im Hinblick auf die innere Treue der Zionisten selbst, da die Unsicherheit der gegenwärtigen Weltlage stärker als früher zahlreiche geistige Probleme dem Einzelnen aufzwingt. Es könnte so scheinen, als ob diese geistige Problematik einen Mangel an elementaren jüdischen Lebenswillen erkennen ließe, während für wirklich lebendige und bewußte Zionisten das einfache Streben nach Normalisierung des jüdischen Volkslebens in Palästina bereits ein Ziel mit ausreichendem Inhalt wäre. Aber die jüdische Geschichte zeigt, daß das jüdische Volksleben niemals 1— weder in Palästina noch in der Diaspora — nach Entwicklung, Gestaltung und innerem Gehalt dem Leben irgendeines anderen Volkes entsprochen hat . und deshalb auch nicht nach dem Vorbild anderer Völker „normalisiert" werden kann. Andere Methoden werden erfordert, bei denen die Normalisierung nur Mittel zu einem weiteren Zweck ist. War und ist für die anderen Völker unseres Kulturkreises die Existenzerhaltung im Grunde immer Selbstzweck ihres Lebens, so hatte für das jüdische Volk das Leben immer nur Sinn unter ' dem Gesichtspunkt einer Idee: der Idee des Judentums. Welches aber ist die Eigenart dieser jüdischen Idee, unter deren Aspekt das ganze politische Streben des Volkes stand? Für die Beantwortung dieser Frage sei besonders auf die Broschüre von Hans Kohn über „die politische Idee des Judentums" hingewiesen, die bereits im Jahre 1924 erschienen und erstaunlicherweise in zionistischen Kreisen so wenig bekannt ist. Aus tiefer Durchdringung der jüdischen Geschichte — stark beeinflußt übrigens durch Bub ersehe Gedankengänge — zeigt Hans Kohn die geistig-politische Eigenart des jüdischen Volkes auf: „Der Jude ist schöpferisch in der Tat, sein Material ist die menschliche Gemeinschaft. 10