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Der jüdische Student · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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zu lösen, sofern die Menschen der Vernunft gemäß handelten. Auch der Kommunismus sei ein Kind des Liberalismus, auch er versuche eine rein rationalistische Erklärung der Welt in der Form des historischen Materialismus« Bei ihm sei das Ideelle nur ein Reflex ökonomischer Zustände. Der Zionismus aber lasse sich so nicht erklären, er sei nicht allein die Reaktion auf die materielle Judennot. Er ist mehr; er ist konstruktiver Gestaltungswille. Bei diesem Punkte müsse die Auseinandersetzung mit den Kommunisten beginnen. Unser Zionismus erkläre sich aus der Vernunft eines in der Konzeption von der jeweiligen Umwelt unabhängigen Gestaltungswillens. Bbr. Moses C a 1 v a r i (Palästina): Es sei ihm schwer, in die Diskussion einzügreifen, da er zehn Jahre nicht in Europa gewesen wäre, so daß er leicht vorbeireden könne. Die Fragen, die man diskutiert habe, müßten naturnotwendig in einer gewissen Unsicherheit verbleiben. Er glaube nicht, daß der zukünftige Staat so aussehen würde, wie ihn Krojanker geschildert habe, als gleichsam mittelalterlichen Staat. Es gäbe eine Reihe von Dingen, die man nicht ohne weiteres beweisen könne, man müsse den Glauben an sie haben. Alle unsere Fragen seien in Fluß. Früher lag uns Palästina weit genug ab und war für uns ein leeres Land. Heute sei das Araberproblem da. Alle die Antworten „Judenstaat", „binationaler Staat" seien sehr primitiv gedacht. Man müsse über diese Fragen erst einmal Klarheit gewinnen, da all das, was wir bisher als Antwort -gegeben hätten, sehr unbefriedigend sei und dadurch sei bei vielen der Glaube an den Zionismus erschüttert. Bbr. Egon Rosenberg: Erkenntnis der politischen Situation bedeute keine Anerkennung. Eine Prophezeiung über das politische Werden in Deutsch- . länd sei unmöglich, es gebe im Bürgertum jedenfalls keine Kraft des Wider-: Standes gegen das Dritte Reich. Dem Liberalismus des jüdischen Bürgertums sei zu mißtrauen; wenn der Nationalsozialismus nicht antisemitisch wäre, würden große Teile des jüdischen Bürgertums zu ihm überlaufen. Gefährlich sei für uns" der Kommunismus; die Stellungnahme vieler Juden zu seinen Gunsten sei die Flucht vor dem Antisemitismus. Es gäbe auch im kommunistischen Rußland Antisemitismus und man würde allein mit wirtschaftspolitischer Einstellung der Judenfrage nicht gerecht. Die Krise im Zionismus erscheine ihm als Auswirkung des politischen Weltbildes. Wir könnten die Methoden unserer Arbeit den Umstanden anpassen, ohne unser Ziel zu verändern. In einem kurzen Schlußwort stellt Bbr. Krojanker einige Irrtümer, die Bbr. Strauß angeführt hat, richtig. Er habe keine Propaganda für das Dritte Reich machen wollen, sondern nur eine Grundlage geben wollen für uns, die wir gezwungen seien, hier zu leben. Landauer gegenüber bestreite er, daß die Judenfrage und der Zionismus ein vorwiegend materielles Problem sei. Die materielle Judennot könne man nicht lösen, wenn von 15 Millionen Juden 10 Millionen das Bedürfnis nach Wanderung haben, Palästina aber nur eine Million aufnehmen könne. Wir müssen uns auf alle die sozialistischen Kräfte stützen, die nicht rein marxistisch eingestellt seien. Schlußwort Bbr. Landauer: Es scheine ihm in den meisten Diskussionsreden mit Recht die Fragwürdigkeit aller hergebrachten zionistischen Begriffe festgestellt worden zu sein, nämlich vollkommene Kapitulation vor der geistigen 8

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