Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Gegensätzen zerklüftet und es fehle ihren Anhängern an Vertrauen auf ihre Stärke und ihr Recht, Bei derartiger Beschaffenheit habe die zionistische Bewegung keine Aussicht gegen den Kommunismus in der Propaganda zu bestehen. Es scheine heute die erste Aufgabe zu sein, den Zionismus der Zionisten zu retten, dann erst an das Werben neuer Menschen zu gehen, da hierbei im Grunde nicht die Argumente, sondern die eigme Ueberzeugung, der Glauben an sein Ideal das Wesentliche sei. Es sei schwer, einen wirklich überzeugten Kommunisten zum Zionisten zu machen, aber & große Masse der Schwankenden seien für uns zu gewinnen. Die Judenfrage sei eine Frage sui generis und ließe sich weder durch den Begriff des Nationalen und Sozialen gleichzeitig erklären. Wenn Krojanker mit Recht unseren Kssvisionisten vorgeworfen habe, daß auf sie die Ideologie des Dritten Reichs a&gjefärbt habe, so hätte er auch auf jene andere Gruppe bei uns hinweisen müssen, die vollkommen unter dem Einfluß gewisser radikal pazifistischer Kreise starnde, wie sie in der Nachkriegssituation in den besiegten Ländern groß geworden sei. Hier würde nicht nur die Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus angezweifelt, sondern sogar unser Recht auf die Verwirklichung. Dies halkei auch in Landauers' Referat angeklungen. Dann sei es freilich schwer, gjsgen den Kommunismus zu kämpfen. In unserer Auseinandersetzung mit <fer deutschen Umwelt hatten wir keinen Grund und vielleicht auch keine Bsarechtigung zu einer Stellungnahme. Wir hätten unsere Sache weiterzuführen und unser Recht unter allen Umständen zu behaupten. Bbr. Preuß, Breslau, führt aus, hinter Kommunismus und Sozialismus stehe, im Gegensatz zur bisherigen kulturellen Entwicklung, die den Individualismus gepflegt hat, das Prinzip des KollektiTrasmus. Die Juden dürfen nicht passiv sich mit einem neuen Getto begnügen. Ber Zionismus wolle eine gesunde Entwicklung des jüdischen Volkes und körne in Palästina einen Ausweg für die Juden im Anschluß an die arabischen Volker finden und sie somit aus dem Untergang Europas retten. Bbr. Alfred L e w i n will dem Kommunismus entgegensetzen, daß der Zionismus eine nationale Lösung durch Zusammenfassung der Juden in Palästina darstelle, daß ihm aber die Lösung der sozialen Frage immer immanent sei. Die Bedeutung der zionistischen Organisation liege gsuade im nationalen Gedanken. Es sei nicht unsere Aufgabe, unsere Idee den Arabern gegenüber zu recht- fertigen, sondern unsere Interessen durchzusetzen ohne die anderen Interessen allzusehr zu beeinträchtigen. Wir müßten uns umn jener unser Milieu beherrschenden kosmopolitisch-pazifistischen Einstellung befreien, die zu bekämpfen Sinn des Zionismus sei. Unsere Interessen seiem allen anderen voranzustellen. Bei aller Verachtung der Entartungserscheinnigen des Nationalsozialismus müßten wir für seinen nationalen Charakter Verständnis zeigen. Auch uns seien Begriffe wie Vaterland, Nation, heilig ual wichtig. Bbr. Fritz Weber: In der Mitte des Überaßen Weltbildes stehen die Vernunft und der Glaube an die natürliche Harmonäa. Der Liberalismus lehre, daß die einander widerstreitenden Interessen der Einzelnen schließlich doch von selbst den idealen Zustand des größten VorteüFs für die Gesamtheit herbeifuhren würden. So erhob er den Anspruch, alle IFragen des Gemeinschaftslebens 7