Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Fremder, Dein Enkel, dem Plato letzte Erfüllung? Was wird der an Eigenem noch auf den Markt zu bringen haben, um es einzutauschen im geistigen Austausch der Freien? Wie träumen sie aüBe von der Weite der Welt? Steckte nicht Cäsar die Grenzen seiner Herrschaft von Britannien bis zu den Parthern? Erschöpfte nicht Phidias mit trunkenen Augen die Schönheit der Welt? Wie gewaltig ist sein Zeus, wie' erhaben ruhig Athene, wie schön sein Apoll? Und uns hat Möschen ein Gesetz gegeben, das unser ganzes Leben ordnet, vom einzelnen Rechenschaft fordert voodem Gebot der Gerechtigkeit, und Willkür nicht zuläßt. Athens Gedanken, geben Inhalt dem Leben des Reichen, Roms Gewalt dient nur dem Mächtigen; bei uns mißt man nicht den Wert des Menschen an seinem Besitz und der Süärke seines Armes, sondern er findet seine Stellung in der Erfüllung der Gebots seines Volkes. — Weite Welten! Wie eng ist Deine Welt! Wie das Klingen eines Instrumentes, das nur einen Ton hat, schwächer, stärker, herber, zarter; aber wer hören kann, hört nur einen Ton. Wie reich ist die Welt, wie übervoll von Tönen! Was wir erstreben müssen, ist der Zusammenklang der Instrumente, ihre Harmonie. Da muß die Harfe als Harke erklingen, die Klangesfülle der Flöte sich erschöpfen können, die Tuba dröhnen und alle müssen sie zusammenklingen zum großen Spiel der Volker. Was können Deine Einzelnen geben, die sich losgerissen haben? Woher sollen sie die Kräfte schöpfen, um andere zu beherrschen? Aus der bloßen Einförmigkeit Deiner Menschheit, ohne Berge, ohne Täler, ohne Wüste, ohne Ströme? Jeder Mensch hat seinen Weg, jedes Volk seine Berufung. Sie muß es nehmen, ganz ausschöpfen, erfüllen. Hier liegt seine Aufgabe und die Quelle seiner Kraft. Ein Volk,, das von diesem Weg abweicht, verliert sich, muß bei anderen Almosen samroaln, verliert seine Freiheit. Frei ist nur das Volk, das weiß, woher eskommt. Seine Sicherheit schöpft es aus der Kenntnis seines Weges. Die sicheren, freien Völker, sie messen sich im Wettstreit ihrer Kräfte, geben und empfangen und bauen gemeinsam die große, freie Welt!'* E. b. A.: „Nein, RabUn: Meir, ich will nicht! Ich will nicht mit Euch berufen 5ein zur Enge Eures Gesetzes, mich dürstet nach der Schönheit Athens und den Versen Homers! Unter der Sklaverei Eurer Toten habe ich gelitten, Eure einfältigen Erklärungen ge&ügen mir nicht. Kühn riß mit seinem ungebundenen Denken Sokrates eine Welt aus ihren Geleisen; lammfromm dagegen Hillel, der nicht zu Ende zu denken wagte, aas Furcht vor Grenzen, die ihm Ueberkommenes setzte!" R. M.: „Groß ist Sskrates, der das Wesen der Erkenntnis erforschte, der um des Denkens willen dachte, und der träumte, daß einst alle denken würden. Kühn Hillel, der ein Gfcaos ordnete, der Menschen einen Sinn ihres Daseins, eine Ordnung ihres Miteiinanderlebens aus dem Reichtum des Gesetzes zu geben wußte." E. b. A.: „Gesetz uixi immer Gesetz. Bindungen, wo Freiheit sein müßte, Enge statt Weite." R. M.: „Ja, Gesetz. Um so mehr Gesetz, je mehr man forscht; ein Gesetz, das sich weitet mit dm Erkenntnissen der Menschen, ein Gesetz, das uns 30