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Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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E. b. A.: „Die Stufen der Entwicklung stieg ich empor, in Formeln der Vergangenheit lernte ich sprechen. Sie wuchsen in mir, ich lehrte sie andere; nun bin ich am Ende, bin frei und bin Anfang. Ich will nicht nur Erbe, will Schöpfer sein! Ich kenne die Leiden der Wüste. Alle trugen sie, auch Möschen. Aber nur in ihm brannte da-s Feuer, durch das er sie formte. Er gab Sinn ihrem Dasein, wies dem Volke sein Ziel. Sein Volk murrte und begriff ihn nicht; stemmte sich gegen ihn und sein Werk. — Als Nebukadnezar gegen Jerusalem zog, als Haß die Völker entzweite, stand auf Jirmijahu und sprach von Frieden, sprach von der Einheit der Welt. Weil er im Heiden den Bruder erkannte, hat man ihn verflucht. Den Mut zu Neuem büßte er im Kerker. — Die Heimgekehrten aus Babylon, ein zerbrochenes Volk, formte Esra noch einmal. Er blieb hart, obwohl sie gegen ihn handelten und ihn nicht verstanden. — Die Zeloten haßten Jochanan ben Sakkai, Verräter rief man ihn, aber er schuf Größeres als den Tempel. Haben diese nur in Bahnen des Vergangenen gedacht, war nicht gerade das erschreckend Neue ihre Leistung? Hat Moscheh nur gedacht wie die Hirten von Goschen, er, der in den Palästen Aegyptens erzogen? — Alle, die geschaffen haben, Schelomoh, Jeschajahu, Nehemia, Kohelcth, sie alle schöpften aus allen Quellen, die sie fanden, und nicht nur aus der einen nur eines Volkes. Nicht ein einziges Mal begriff sie ihr Geschlecht, immer stemmte man sich gegen sie im Namen des Gewesenen. Einzelne zwangen dieses Volk zu Weite und Größe! Denen, die nur im Gewesenen denken, bin ich der ,Acher1, denen, die nur erhalten wollen, bin ich der Gegner. Und ich sollte schweigen, gerade weil ich die Geschichte meines Volkes kenne? Ich rufe auf zur Arbeit im neuen Abschnitt einer neuen Welt. Unsere Entwicklung ist abgeschlossen, wir sind mündig. In der Einheit der Welt gibt es niemanden, der auserwählt ist nur durch den Zufall seiner Geburt. Auch wir nicht. Wenn in uns je Kräfte wuchsen, wenn wir im Wettstreit der Völker bestehen können, warum sprecht ihr nicht in den Rednerschulen der Welt? Wo man um Großes, Schönes, Neues ringt, seid dabei! Lehren wir, lernen wir! Ich fürchte mich vor der Enge Eurer Lehrhäuser, wo große Gedanken verkümmern, wo man um Worte streitet und ihre Auslegung. Recht will man behalten, nicht weiter forschen! Ein Mensch nimmt seine Entwicklung; Elternhaus, Schule bilden und formen ihn. Die Ideen seines Volkes muß er erfassen und begreifen. Aber sein Weg endet nicht in seinem Volke. Er muß "herauswachsen über die Enge, aus der Vergangenheit, aus der er gekommen, muß reifen zur Freiheit des einsamen Einzelnen, die allein befähigt zur schöpferischen Leistung. Bindungen engen, zerreißen wir sie. Jeder ist jedes Lehrer, und im geistigen Austausch der Freien wächst unsere Freiheit und Weite!" R. M.: ,,Die Welt zu ändern, Menschen aus ihren Fesseln zu befreien, das Unrecht ihrer Leiden zu beseitigen ist unsere Berufung. Diesen Traum will ich mit Dir träumen, den Traum von der glücklicheren Zukunft der Menschheit. Aber wohin geht Dein Weg? Ich sehe Dich, Elischa, in der Rednerschule von Athen und man wird Werte fühlen, die Du mitbringst aus einer fremden, großen Eigenart. Aber Dein Enkel, dessen Großvater .Acher* wurde, ein Losgelöster, -dessen Vater vielleicht in Athen erzogen, zwiespältig, in beiden Welten ein 29

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