Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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hat und das jede Möglichkeit zum Reichtum und Wohle der Menschheit nur in Armut und Not umwandeln kann, das die edelsten Triebe zur Gemeinschaft in Feindschaft und Haß umbiegt, das die Quellen hoher Sittlichkeit und Glaubens an das Gute zu schädlichem Aberglauben vergiftet. Für Hunderttausende unseres Volkes ist dieser Kampf ihr Kampf und der Sozialismus Verkörperung ihrer Sehnsucht nach sozialer Erlösung. Der Aufbau von Erez Israel ist ihr Weg zur Verwirklichung, praktische Synthese von Sozialismus und Judentum. Erez Israel ist für unser Volk die Stätte der neuen Gesellschaft, die jüdisch und sozialistisch sein wird. So lange wir hier sind, ist unser Zusammenhang mit Erez Israel Phrase, wenn wir nicht brüderlich und treu zu seinen Pionieren stehen. In unserem Zeitalter der Technik können sich die Geschicke keiner Nation isoliert von denen der anderen vollziehen. Nur in einer freien Welt wird Erez Israel die Heimat freier Menschen sein. Der organisierte Kampf um die Erlösung dieser Welt ist also für uns von höchster Bedeutung. Wir verstehen die Bestrebungen, unsere Probleme in Anknüpfung an die Thora zu lösen. Trotzdem müssen wir sie ablehnen. Was einmal gut und vollendeter Ausdruck einer Epoche war, wird uns zur Fessel, wenn wir nicht unser Tun nach unseren Tagen orientieren. Die Geschichte hat ihre immanenten Gesetze, und wenn wir leben wollen, müssen wir sie beachten. Das Verstehen unserer Zeit und ihrer Forderungen kann für uns keine Assimilation bedeuten. Das zionistische Bewußtsein und dessen Bestätigung durch die Judenfrage, die wir täglich erleben, unsere Bewährung an dem praktischen Aufbau von Erez Israel sind uns heute stärkere Bollwerke gegen die Assimilation, als alle Selbstisolierung, die wir nur als Zeichen ängstlicher Resignation empfinden. V/ei! wir Zionisten sind, haben wir das Recht vor uns selber, an den großen Aufgaben der Welt, die auch unsere Aufgaben sind, mitzuwirken. Wir sind dafür verantwortlich, daß die zionistische Bewegung die natürliche Heimat aller jüdischen Freiheitsbestrebungen wird. Erziehen wir uns zu dieser Aufgabe. * Jalaaduth Von Hans Anton W o 1 f f und Heinz Gerling. Die Rechtfertigung nationaler Bewegungen sind ihre ökonomischen politischen Ziele, ihren Wert bestimmt die nationale Eigenart ihrer geistigen Inhalte. Zionismus, der sich herauslösen wollte aus der geschichtlichen Entwicklung seines Volkes, wäre irgendein interessanter Versuch zur Abhilfe für die -Nöte bedrängter Menschen, aber niemals die Weiterentwicklung einer historischen Einheit. Darum ist es unsere Aufgabe, neben politischer Schulung die innere jüdische Erziehung unserer Menschen zu pflegen. Wenn wir Jahaduth predigen, wenn wir in ernster geistiger Arbeit darum ringen, sollten wir uns darüber klar sein, daß. hier nicht eine geistige Strömung unter vielen vorliegt, mit der wir uns auseinanderzusetzen haben, die wir gewissermaßen von außen lernen können, sondern daß es sich um unser eigenes Leben handelt, um den Strom, der alle anderen Strömungen in sich aufnehmen kann und soll. Hier gilt es gewiß, wie überall, zu lernen. Vor allem aber gilt es, in uns selbst ver- 27