Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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erlebnis, das ihn zu seiner entsagenden Galuthexistenz befähigt: er lebt in der Hoffnung der nationalen Verwirklichung eines humanistischen Ideals- Eine Erfüllung für seine tiefsäe und eigentliche Sehnsucht, mitzuschaffea an der kulturellen Erneuerung, k£ ihm versagt. * Sozialismus Von Leon C h i t z e s. Erziehung war immer ein gesellschaftliches Problem- Aber mit dem Bewußtwerden der Klassenunterschiede hat sich der Begriff des Gesellschaftlichen differenziert. Erziehung ist heute zum Klassenproblem geworden* Die Judenfrage durchbricht das einfache Schema des Klassenkampfes, ohne ihn für uns aufzuheben. Me Geschichte zeigt uns, daß alle gesellschaftlichen Wandlungen und sogar Fortschritte sich schließlich gegen uns wenden müssen, solange unsere nationale Frage nicht gelöst ist. Unsere Stellung kann auf die Dauer auf keiner der graßen sozialen Fronten sein, und unser Schicksal wird nicht von anderen und nücht hier allein entschieden werden. Diese zionisti sch e Erkenntnis läßt uns unsere eisige Isolation schmerzlich zum Bewußkein kommen. Sie macht uns aber auch frei von dem dumpfen Zwange, der & Massen, ohne ihnen eine Wahl zu lassen, an ibre Klasse schmiedet. Wir haben die unerhörte Chance, noch werten und wählen zu können. Das kostbare Erbe *mer Geschichte, die voll von Blut und Unterdrückung ist, hat die Sehnsucht nmh Freiheit und Gerechtigkeit zu einem unzerstörbaren Bestandteil unseres Seilst geprägt. Das ist das Band, das uns mit unserer Vergangenheit verbinde^ die Quelle, aus der uns Kraft und Zuversicht für den Aufbau unserer neuen Gesellschaft in Erez Israel fließt. Die Quelle, aus der wir versöhnendes Versiahen für die Leiden der Menschheit schöpfen. Im Kampf einer unterdrückten Welt gegen ihre Ausbeuter ist unser Platz auf der Seite der Unterdrückten. Es ist gleichgültig, wie die Unterdrückung hüben und drüben formuliert wird, ob durch ,»Mehrwert" oder durch die „heiligsten Güter der Nation**. Wesentlich ist, daß dke versklavte Menschheit das Symbol gefunden hat, das ihm im Ringen um die Zukunft Wegweiser ist und in ihr die Flamme der Begeisterung weckt, die. wirklich Geschichte macht. Es ist die Fa&ne des Sozialismus. Sie allein vermag es, die leidenden Massen aller Nationen um sich zu sammeln« Das Dogmatische in Sozialismus ist Ausdruck der tiefsten Zuversicht, einmal Herr der Entwicklung zu werden. Seine Lebenskraft wird es noch erweisen müssen. Aber es kann nicht Anlaß zu neuer Unterdrückung werden» weil eine befreite Menschheit sich nicht zum Sklaven von Dogmen machen lassen wird. Darum bleiben alle Eaawände gegen das sozialistische Lehrgebäude an der Oberfläche haften. Kein Dogma wird die Zukunft bestimmen, sondern der Wille, der es sich zutraut, lebendige Wirklichkeit zu gestalten. Der Sozialismus st die Verkörperung dieses Willens. Millionen bekämpfen unter seiner Fahne zin System, das seine historische Aufgabe langst erfüllt 26