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Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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Die erste und bereits sehr schwere Aufgabe, deren Bedeutung bei uns bisher in begreiflichem Bemühen, sich von der Jugendbewegung im engeren Sinne fernzuhalten, fast immer verkannt wurde, ist die Erweckung der personlichen Kräfte zu dem menschlich und zionistisch entscheidenden humanistischen Grunderlebnis. Mannhaftigkeit ist gewiß ein hohes und wichtiges Erziehungsziel; aber bevor einer Mann wird, soll er erst Jüngling gewesen sein, und-auch hierzu gibt es eine ErzieTtung — für unsere jüdische intellektuelle Jugend ist sie doppelt erforderlich! Das Erbgut des Golus lastet schwer auf uns — Regeneration an Korper und Seele ist die erste Voraussetzung zum Gelingen solcher Erziehung. Gesundheit, Gefühl für das Echte, Wahre und Schöne — das sind grundlegende legitime Maßstäbe für die persönlichen Qualitäten unserer Menschen. Diese (theoretischen) Trivialitäten sollen hier stehen, weil man sie bei uns zu wenig beachtet. Ueber die Forderungen einer funktionellen Regeneration hinaus läßt sich nur weniges über die substanzielle Seite dieser Erziehung sagen. Hier ist anzuknüpfen an unsere historische Situation: wir haben unsere Menschen zu erziehen in einem geschärften Bewußtsein der Distanz zu ihrer Gegenwart und Umgebung. Aus dieser Negation soll die Sehnsucht erwachsen nach der eigenen schöpferischen Leistung in Liebe und mit klarem Wollen. Ist eine solche Lösung der Kräfte gelungen, so erhebt sich die Frage ihrer Bindung. Hier ist der Punkt, wo die humanistischen Motive sich umsetzen sollen in politische Tat. Die Erziehung zum Manne tritt hier in ihr Recht; Selbständigkeit, Treue und Charakter, Urteilskraft und Disziplin sind ihre Requisiten. Hier ist aber auch der Punkt, wo für die Jugend das; rsCnliche Problem ihres Zionismus entsteht. Ohne kollektive Form ist zionistische Produktivität kaum denkbar. So- .lange sie sich nur auf die subjektive Sphäre zu erstrecken braucht —• auf den pädagogischen Komplex und seine Dependenzien — ist das Problem lösbar, doch wird dies nur in der Jugend der Fall sein. Die Jugend kann in der Tat in der Form des „Bundes" die Bindung ihrer schöpferischen Energien sehen: eine Generation junger Menschen, die sich in Kritik und Liebe gegenseitig erzieht und in gemeinsamer Verantwortlichkeit hält und trägt, findet in ihrem gemeinsamen Leben antizipativ eine Art Ersatz für die volle nationale Wirklichkeit. Man braucht diesem „Ersatz" nicht zu schelten, seine pädagogische Wirkung in zionistischem Sinne kann ungeheuer sein! Aber seine Dauer ist notwendig beschränkt; sie hört auf, sobald die subjektive Sphäre durchlaufen ist. — Damit ist jedoch der Punkt erreicht, an dem es für den im Galuth lebenden Zionisten für die in ihm gelösten, humanistisch gerichteten, die Bindung im zionistischen Werk jüdischer Erneuerung ersehnenden Kräfte eine Produktivität nicht mehr gibt — denn eine Produktivität im Objektiven, die dann einzig verbleibt, ist im Galuth nicht möglich. Diese nationale Produktivität, die gekennzeichnet ist durch das Gefühl der unmittelbaren persönlichen Teilnahme an der jüdischen Erneuerung, kann nur durch die eigene Alijah erhalten werden. Der Zionist im Galuth hat das Bewußtsein der großen historischen Aufgabe seiner Generation. Dieses Bewußtsein und die stete Arbeit für die Idee kann seinem Leben noch einen Sinn geben. Sein Alltag verläuft in Organisation und Politik. Aber auch in ihm wirkt das gleiche zionistische Grund- und Motiv- 25

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